Diese Woche war unimäßig ziemlich entspannt, ich hatte nur zwei Vorlesungen. Zum einen ist meine GPS Übung im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen, zum anderen sind alle Vorlesungen ab Donnerstag abgeblasen worden, da das geodätische Institut 56jähriges Jubiläum feiert. Da hatte ich auch nichts dagegen.
Mittwochabend bin ich kurzfristig als Deutschlehrerein eingesprungen, da die Sprachschule, an der Nadine und Eli arbeiten, eine Probestunde an der Technischen Universität Wuhan angeboten hat, aber beide keine Zeit hatten. War mal eine ganz interessante Erfahrung, ich hab ‘nen kleinen finanziellen Zuschuss bekommen und bin zum Abendessen eingeladen worden.
Gestern war deutscher Abend. In einer deutsch-chinesischen Runde, die aus neun Leuten bestand, haben wir Pilzgulasch mit Salzkartoffeln gemacht. Der Tag begann damit, dass Nadine und ich zur Metro gefahren sind. Wie in Deutschland, ist auch dort eine Mitgliedskarte nötig, bei der man die Firma angeben muss. Da standen wir ziemlich verloren am Eingang, weil es zwar Tageskarten gibt, aber welche Firma sind wir denn? Da sprach uns eine der dort arbeitenden Damen auf Englisch an, ob wir einkaufen möchten. Im Notfall sprechen wir alle kein Chinesisch, haha. Aber es war unproblematisch, wir bekamen eine Nummer zugeordnet, die Firma ist die Universität Wuhan. Also problemlos. In der Metro war’s toll! Es gibt alles! Fahrräder, Kühlschränke, Klamotten, Handys und natürlich Lebensmittel. Wegen denen waren wir ja da. Neben einigen Kuriositäten, wie eine große Auswahl an deutschen und belgischen Bieren, deutschem Riesling, keinen vernünftigen Backwaren, fanden wir alles was wir brauchten, insbesondere ein sehr schönes Stück Fleisch. Vollbepackt haben wir Lars überfallen, in dessen WG das Ganze stattfand. Abends wurde dann groß gekocht, jedoch mit einigen Komplikationen. Letztlich hat alles geklappt, trotz kleiner Töpfe, zwei Herdplatten und drei Köchen. Und es hat lecker geschmeckt. Das ehrenvollste Kompliment kam wohl von Bastian: Es schmeckt wie bei meiner Mutter. Der Abend hat sich noch lange hingezogen, mit Musik, politischen Diskussionen und leckeren Windbeuteln.
Das Wetter ist zurzeit sehr wechselhaft. Am Dienstag war ich davon überzeugt, dass der Sommer vorbei ist. Es hat geregnet und es war kalt! Ich war mit Jacke und Schal in der Uni gesessen. Das war auch der Tag, an dem die GPS Übung theoretisch geplant war. Der Tag danach war unglaublich. Ich zog morgens die Vorhänge auf und war sprachlos! Die Häuser von der Morgensonne bestrahlt und da hinter der Nanhu und sein entferntes Ufer. Und ich dachte mal, als ich das gesehen hab, ich hebe Fernblick! Haha! Hinter dem See kommt ein Hügel, hinter dem Hügel Hochhäuser und dahinter noch ein Hügel. Es war klar, die Sonne schien, es war kühle Luft aber dennoch warm. Traumhaftes Herbstwetter. Heute kann ich den Nanhu nicht mal erahnen. Es ist trüb. Vormittags hat es in Strömen geregnet, aber es war irgendwie nicht kalt. Als ich dann mittags schnell Baozi geholt habe, ist die Sonne wieder rausgekommen. Das Ergebnis des Ganzen ist vor allem schwül. An der Ampel ist mir die Brille angelaufen. Und ich schwitze!
Mein Frühstück hat sich geändert, da ich nicht mehr an dem leckeren Baozistand vorbeikomme, und auch keine gute Sojamilch auf dem Weg zur Uni finde. Jetzt gibt es immer ein Art süßes Fladenbrot. Sehr lecker und chinesisch. Nur bei Regen hat der Stand zu. Dann gibt es gar nichts.
Nichts Besonderes...
Diese Woche war mal wirklich unspektakulär, aber dennoch vielseitig.
Kulinarisch gab es Höhen und Tiefen. Ich war endlich Hotpot essen, und es war so köstlich und vielseitig wie erwartet. Wir waren zu siebt, entsprechend konnten wir umfangreich bestellen. Und von diesen sieben Leuten war ich die einzige, die keine Fotos gemacht hat. Ich war zweimal koreanisch essen, was, ebenfalls wie erwartet, sehr lecker war. Als schönen Gegensatz hab ich mir Mitte der Woche den Magen verdorben und hab ‘nen ganzen Tag im Bett verbracht.
Das Wochenende wollte ich mir mal wieder schöne grüne, ruhige Umgebung gönnen und hab die Tage im Wohnheim verbracht. Nur war es weder sehr grün noch sehr ruhig, da gleich neben meinem Wohnheim eine Baustelle begonnen wurde. Sonntagmorgens um 7 flöten keine Vögel durchs Fenster, sondern der Presslufthammer. Aber schön war es, die ganzen Freunde von hier spontan in der Mensa zu treffen. Folglich habe ich gestern Abend vier Stunden in und bei der Mensa verbracht.
Unimäßig hatte ich einen kleinen Erfolg, ich hab meine kurze Powerpoint zur trigonometrischen Höhenmessung fertiggestellt.
Das war aber wegen meinem krankheitsbedingten Ausfall und dem daran anschließenden Aufpäppeln mit das Einzige, was ich diese Woche geschafft habe. Außer bei einem der unzähligen Vorträge zu sein, diesmal ein Niederländer der Firma Fugro, der speziell zu Mehrdeutigkeitslösungen bei GNSS Messungen referiert hat. Insgesamt zwei Tage Vorträge, einen Vormittag lang habe ich zugehört.
Das Wetter ist wirklich herbstlich geworden, morgens und abends wird es frisch, man bräuchte schon fast eine Jacke. Wobei ich das sage, während ich langärmlig rumlaufe. In meinem Umkreis beginnt man sich zu Überlegen, ob vielleicht kurze Hose und T-Shirt etwas zu wenig ist. naja, jeder hat ein etwas anderes Gefühl. Tagsüber wird es dennoch auf manchmal unerklärliche Weise richtig warm, teilweise wieder 28 Grad. Herbstlich war auf alle Fälle die Luft, keine schwüle Dampfwolke, sondern klarer Weitblick unter grauen Wolken. Ich kann von meinem Balkon bis zum anderen Ufer des Nanhu schauen.
Zum Abschluss noch eine Impression vom ältesten Gebäude der Uni, das damals das modernste Wohnheim Chinas war.

Der Aufruf mit der Telefonnummer nützt herzlich wenig, wenn man ein chinesisches Einschreiben bekommt. Aber das Drama hat sich noch ‘nen weiteren halben Tag hingezogen, bis ich endlich meinen Brief in den Händen halten durfte. Manchmal sind Chinesen echt kompliziert.
Ich habe meine neue Wohnung größtenteils bezogen, aber da auch viele Arbeiter frei haben, fehlen noch Teile der Einrichtung. Aber spätestens nächste Woche wird das auch noch werden. Erstbezug. Entsprechend schick ist das auch noch alles, wobei ich teilweise noch Schmutz von den Bauarbeiten entfernt habe. Aber ich fühl mich echt wohl!
Die Uni ging wieder los, nur für sehr wenige Studenten schon nach vier freien Tagen. Das sieht man auch. Mein Teil der Uni ist leergefegt, im Hauptteil tummeln sich Touristen. Als wir mittwochmorgens um 8 Vorlesung hatten, musste der Dozent erst mal jemanden suchen, der uns das Gebäude aufschließt. Der Computerraum mit meinem Arbeitsplatz ist, abgesehen von uns wenigen Masterstudenten, leer und auch Mitarbeiter sind keine da. Und irgendwie war die Vorlesung auch nicht so gut besucht wie sonst, hihi.
Ja, in meinen Ferien habe ich viel erlebt! Drei deutsche Mädls, die mit über vierzig Chinesen in einer Busreisegruppe unterwegs sind, das ist schon was Besonderes. Alles in allem hatten wir drei erlebnisreiche Tage. Aber auch sehr chinesische. Wir waren fast nur im Bus gesessen, zusammen mit ununterbrochen essenden Chinesen. Wir wurden auch als Truppe immer sehr schnell durch die Sehenswürdigkeiten gescheucht, gewartet wurde auf niemanden. Die Reiseführerin ist als erstes ausgestiegen, hat sich ihr Mikro geschnappt und ist munter vor sich hinplappernd losgelaufen. Wer langsam aus dem Bus aussteigt hat Pech. Dennoch, es hat sich gelohnt!
Am ersten Tag sind wir mit dem Bus durch fast die ganze Provinz Hubei gefahren, den Jangzi aufwärts nach Yichang. Diese Stadt dürfte vielleicht ein paar Leuten bekannt sein, denn es ist üblicherweise der Ausgangspunkt für Ausflüge zum Dreischluchtenstaudamm, der nur 28 Kilometer flussaufwärts liegt. Durch die damit verbundenen Umsiedlungsaktionen und die gestiegene wirtschaftliche und touristische Bedeutung der Stadt, ist diese von 50 000 Einwohnern auf etwa 450 000 Einwohner gewachsen. Nach viereinhalb Stunden Fahrt (Fahrzeit in Wuhan selbst nicht mitgerechnet) hatten wir dort Zeit, das Mondfest selbstständig zu feiern, was wir auch gemacht habe. Es gab ein köstliches Abendessen unter freiem Himmel.
Am zweiten Tag ging es weiter Richtung Shennongjia, dem Ziel unserer Reise, auch hier wieder viereinhalb Stunden Fahrt bis Muyuzhen. Im Gegensatz zum Vortag, an dem wir durch flaches, landwirtschaftlich genutztes Gelände fuhren, waren wir hier von Anfang an in den Bergen, die sich während der Fahrt laufend geändert haben.
Anfangs waren wir auf der Autobahn unterwegs, diese ist aber Großteils noch im Bau und war später selbst eine Sehenswürdigkeit für sich. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung, eine Aneinanderreihung von Brücken und Tunneln!
Wir selbst waren dann auf kleinen holperigen Straßen unterwegs, die sich in Serpentinen über die Berge schlängeln. Anfangs gab es noch breite Täler, in denen die Getreideernte in vollem Gang war, danach änderte sich der Anbau, bis man fast nur noch Mais und Tee, häufig in gemischter Bebauung fand. Dazwischen, unvermeidlich, Mandarinenplantagen, für die diese Region (zu Recht) berühmt ist. Nachmittags konnten wir endlich in das Naturschutzgebiet.
Ein krasser Gegensatz zum städtischen, schwülen Wuhan! Eine weite Berglandschaft, das höchste Gebirge Mittelchinas! Der höchste Gipfel ist über 3000m hoch, wir selbst kamen bis auf über 2900m Höhe. Folglich ist der Herbst weit fortgeschritten, der Wald ist bunt gefärbt und die Temperatur angenehm kühl.
Die Region ist berühmt für ihre Pflanzenvielfalt, Urwälder, Artenvielfalt. Laut Legende, hat hier der Gott Shennong, der der Menschheit u.a. den Tee und den Ackerbau bescherte, nach Kräutern gesucht. Daneben werden hier auffällig viele Albinos gesichtet, u.a. Bären, Schlangen, Hirsche und Krähen. Und es gibt angeblich Yetis, Haare und Fußspuren hat man schon gefunden, für ein Foto werden 500 000 RMB versprochen.
Als ersten touristischen Ort, haben wir den Tempel besichtigt, der dem Gott Shennong gewidmet ist.
Dort wächst ein über 1200 Jahre alter Nadelbaum.
Danach ging es in die Hochlagen, mit Felsformationen, in denen man diverse Tierdarstellungen findet.
Einen Ausblick zur höchsten Erhebung später, durften wir einen Blick in das schönste Tal der Region werfen, das jedoch auch das erste ist, das im Nebel verschwindet. Schnelle Wetterumschwünge sind hier nicht selten, und nach einem strahlend sonnigen Tag kamen nachmittags urplötzlich dunkelgraue Wolken auf. Der Ausblick war entsprechend.
Nach einer Wanderung durch ursprüngliche Vegetation, durften wir die Goldaffen besuchen. Von Tierhaltung haben Chinesen keine Ahnung, deshalb spare ich mir hier die Originalbilder.
Die Täler sind hier äußerst schmal, die Berge unglaublich steil und komplett grün bewuchert. Hängebrücken sind ein häufiges Bild.
Am letzten Tag unserer Reise durften wir uns noch ein paar katastrophal gehaltene Tiere ansehen (z.B. Riesensalamander, Goldfasan, Bär) und eine imposante Tropfsteinhöhle.
Nach gut hundert Höhenmetern Aufstieg im Untergrund, konnte man, natürlich gegen Aufpreis, den Rückweg in einer tollen Steinrutsche zurücklegen. Eine etwas vereinfachte Version der Rodelbahn, mit Soffschutz am Hintern und ‘ner alten Plastikflasche als Gleitmittel. Es war spitze! Was dann noch anstand war die Rückfahrt. Schier endlos!
Den letzten Ferientag habe ich zum Umziehen verwendet. Haushaltswaren einkaufen macht Spaß! Und schwuppdiwupp, waren meine Ferien vorbei.