Dies ist ein sehr wichtiger Hinweis an alle, die mir eventuell Briefe oder Pakete schicken wollen: SCHREIBT BITTE IMMER (!!!!!!!!!!!!!!!!) MEINE TELEFONNUMMER MIT DRAUF!!!!!!!!!!!!!!
Sonst geht's mir so wie heute, dass ich am arbeiten bin und meine Mitbewohnerin anruft, dass irgendwer in Gebäude 3 ne Unterschrift von mir braucht. Also bin ich so schnell wie möglich los, hab noch schnell was zu Mittag gegessen und was in meine neue Wohnung gebracht, bin zum Wohnheim und hab nach stundenlangem Umherfragen (Mitbewohnerin --> Putzfrau --> Empfangsdame --> Empfangsdame Gebäude 3 --> wildes Rumlaufen am Campus --> Empfangsdame Gebäude 3 --> Empfangsdame --> Mitbewohnerin) nur herausgefunden, dass irgendeine Postsendung für mich da ist. Aber nur gegen Unterschrift, sodass keiner das Ding annehmen konnte. Hoffentlich kommen die morgen wieder, wobei ich da ja normalerweise auch in meinem Uniteil bin. Soll ich jetzt den ganzen Tag im Wohnheim hocken und warten, oder was?
Ich hab 3,5 Stunden für nichts und wieder nichts verschwendet.
Ja, das Studium ist hier ganz schön hart. Also es wäre wohl um einiges einfacher, wenn Chinesisch meine Muttersprache wäre. Nur leider ist das nicht der Fall. Ich hab zurzeit ganz schön zu knabbern, die ersten Hausaufgaben sind zu erledigen, Fachtexte mit Literaturrecherche zu schreiben etc. Aber es gibt Lichtblicke. Ein Fach mag ich nämlich mittlerweile ziemlich gern, und versteh auch ziemlich viel. Hausaufgaben hab ich dort jedoch auch noch nicht angefangen. :(
Aufgrund des hohen Arbeitspensums verbringe ich eigentlich den ganzen Tag in der Uni. So in etwa von 9 bis 18 Uhr. Manchmal auch länger (da ist weniger los, sollte ich mir merken!). Seit heute bin ich auch in Besitz einer elektronischen Unikarte, kann mich endlich meinen Kommilitonen zum Essen in der Mensa anschließen und Bücher ausleihen. Wobei letzteres erst mal erprobt werden muss.
Ein paar Impressionen meiner Uni:
Zu der Wasserqualität hier. Wasser gibt es hier ja in Unmengen, durch zwei große Flüsse und eine Unzahl an Seen. Man sieht hier auch regelmäßig Leute Bootssport und Angelsport nachgehen. Aber ich habe noch niemanden Schwimmen sehen. Das mag auch seine Ursachen haben. Laut Aussage des Auswärtigen Amtes ist vom Schwimmen in Mittelchina, insbesondere in der Jangzi-Region, abzuraten! Akute Bilharziosegefahr! Scheint wohl auch den Chinesen bekannt zu sein. Aus Peking kenne ich es zum Beispiel anders, da baden regelmäßig Leute in den städtischen Gewässern.
Außer Lernen habe ich nicht viel gemacht. Bis auf den Versuch, mein Leben angenehmer zu gestalten. Zu Beginn meines Aufenthalts, fand ich meinen Weg zur Uni ja noch ganz toll. Dauert zwar eine halbe Stunde, aber Bewegung an der frischen Luft. Mit meinem altertümlichen, tonnenschweren Laptop nach einem anstrengend Tag, wenn ich sowieso schon fix und fertig bin, durch die Hügel der Uni zu wandern, zehrt aber ganz schön an der Substanz. Unimäßig sowieso schon am Verzweifeln, musste eine Lösung her. Sie ist 26 Quadratmeter groß und in zehn Minuten von meinem Arbeitsplatz aus zu erreichen. Einzige Steigung auf der Strecke ist die Fußgängerbrücke, um die Straße zu überqueren. Einzug ist für nächste Woche geplant. Um sich das Ganze etwas besser vorstellen zu können, kommen hier zwei Bilder. Beide wurden von dem Gebäude aus aufgenommen, in dem ich arbeite. Der Blick nach Norden zeigt mein Wohnheim, das hinter dem Hügel liegt, der Blick nach Westen den Wohnkomplex, in dem ich die Wohnung gefunden habe.
Es ist plötzlich Herbst geworden. Wirklich, auf einen Schlag! Nach einigen schwülen, grauen, trüben, drückenden, heißen Tagen, war es eines Morgens plötzlich klar. Die Sonne schien vom kräftig blauen Himmel, ein kräftiger Wind blies, die Temperatur war angenehm. Golden leuchten die Bäume, die dezent ein paar Blättchen zu Boden fallen lassen. In der Sonne ist es noch immer sehr warm, aber im Schatten ist es super angenehm. Nachts kühlt es auf unter zwanzig Grad ab. Der Wind ist nur ein bisschen, wenn man im 14. Stock arbeitet, und es den ganzen Tag pfeift ohne Ende. Zumindest hat sich jetzt der Ausblick mal wirklich gelohnt!
Der Herbst bringt noch was mit sich: FERIEN!!!!! Ich glaub ich hab mich noch nie so über Ferien gefreut! Ich war heut nach der Vorlesung auf dem Heimweg richtig euphorisch! Morgen ist Mittherbstfest/Mondfest und am 1.Oktober Nationalfeiertag. Die ganze Uni freut sich über 8 freie Tage. Außer die Masterstudenten. Die haben nur vier. Naja. Immerhin. Folglich geht’s morgen in den Urlaub!!! Ich freu mich schon, auch wenn das ganze etwas abenteuerlich werden wird.
Aber dazu gibt’s dann im nächsten Beitrag mehr, falls mich kein Yeti gefressen hat.
Und schon wieder ist eine Woche um. Die Zeit verfliegt…
Anfang der Woche habe ich meinen Arbeitsplatz bezogen. Jeder Masterstudent hat hier seinen eigenen Arbeitsplatz, einen kleinen Schreibtisch an der Uni, in einem der vielen speziell dafür angelegten Arbeitsräume. Ich hatte dabei ziemlich Glück. Ich habe einen relativ geräumigen Eckschreibtisch in einem relativ kleinen Raum, in dem 25 Leute sitzen. Das Ganze im 14. Stock mit Blick nach Norden, über die Uni. Bisher warte ich noch auf einen klaren Tag, um ein schönes Foto zu machen. Diese Woche hat es wieder geregnet, allerdings nicht so sehr, wie die letzen Male. Und es hat auch nicht mehr so sehr abgekühlt.
Seit ich diesen Platz habe, hat sich eine gewisse Routine entwickelt. Morgens gehe ich immer in mein „Büro“, Frühstück gibt’s auf dem Weg dorthin. Als ersten Teil Sojamilch aus der Mensa, als zweiten Teil auf halber Strecke was vom besten Baozistand, den ich kenne. Die Auswahl variiert dabei, meistens süße Baozi, also gedämpfte Teigtaschen, oder Mantou bzw. Huajuan, also gedämpftes Brot, oder auch mal gedämpfter Kuchen. Alles sehr lecker. Den Rest des Tages verbringe ich im Büro, außer ich habe Vorlesungen. Meine Mittagspause verbringe ich meist in der Guangbalu, einer kleinen Straße nebenan.
Mittlerweile hat eine weitere Vorlesung angefangen, die mir sehr gut gefällt. Zeitreihenanalyse unter Verwendung der Programmiersprache R. Relativ zeitaufwendiges Fach, da der Programmierteil im Selbststudium zu erledigen ist, umfangreiche Hausaufgaben aufgegeben werden, und im Unterricht gezielt Fragen gestellt werden, die in die Bewertung mit einfließen.
Auch ein Vortrag war diese Woche wieder, von einem Professor der University of Nottingham in Ningbo, über die Minimierung von Mehrwegeeinflüssen. Interessant.
Mitte der Woche hatte ich eine kleine Krise, als ich feststellen musste, dass meine Arbeitsweise nicht effektiv war. Mein ganzes Leben habe ich, sobald ich auf einen chinesischen Text getroffen bin, jede unbekannte Vokabel gelernt. Und genauso habe ich es hier gemacht. Nur bin ich nicht zum Chinesisch lernen hier! Meine gesamte Zeit ging für umfangreiche Suchen einzelner Wortbedeutungen drauf, ohne fachlich irgendwas weiterzubringen. Jetzt sind die Vokabeln von der Wichtigkeit her an der letzten Stelle. Die Texte verstehe ich auch so meistens ganz gut, nur absolut wichtige Fachbegriffe schlage ich nach. Somit konnte ich die Zeitreihenanalyse schon gut nacharbeiten, und kann jetzt auf Chinesisch mitreden, wenn es Korrelation und (Ko)Varianzen bei stochastischen Prozessen geht.
Im Laufe der Woche habe ich einen Blick auf den Ablauf meines Masterstudienganges in Dresden geworfen. Und war direkt enttäuscht. Hier gibt es so viele interessante Vorlesungen und Vertiefungsmöglichkeiten, die mir die TU Dresden nicht bieten kann. Direkt etwas schade, dass ich später dort studieren muss. Der Master erscheint mir hier auch um einiges Forschungsorientierter. Die Studenten haben Projekte zu bearbeiten (der neben mir arbeitet an irgendwas wegen der GRACE Mission, und das für die nächsten acht Monate), Artikel zu veröffentlichen und die Bearbeitungszeit für die Masterarbeit hat mindestens ein Jahr zu betragen. Schon etwas andres als in Deutschland. Das sind allerdings teilweise sehr neue Entwicklungen, der Studiengang ist vor Kurzem von einem zweijährigen auf einen dreijährigen Verlauf umgestellt worden.
Insgesamt schlaucht mich die Lernerei ziemlich. Ich musste meine Essensmengen drastisch erhöhen, am Wochenende war ich richtig platt. Einer der Gründe, meine Mathevorlesung am Samstagvormittag schon nach der ersten Stunde zu verlassen. Ich hoff ich kann die irgendwie abwählen, ich versteh echt kein Wort!
Gestern war ich ein wenig in der Stadt unterwegs. In einer sechsköpfigen internationalen Gruppe sind wir nach Hubuxiang gefahren. Das ist eine kleine Fressmeile in klassischem Stil. Es gibt haufenweise kleine Snacks, teilweise sehr traditionell. Leider sind die Preise etwas hoch, und es sind natürlich Unmengen von Leuten dort. Ich hab mich schon total auf Stinktofu gefreut, wurde aber etwas enttäuscht. Nicht stinkend und folglich auch nicht würzig genug. Schade!
Danach sind wir an den Jangzi. Auf Chinesisch heißt der Fluss Changjiang, also langer Strom. In Wuhan fließt der Hanjiang in den Changjiang, wodurch die Stadt dreigeteilt wird. Das ist durchaus ein imposanter Fluss! Mit einem Schnellboot haben wir vom Stadtteil Wuchang in den Stadtteil Hankou übergesetzt. Leider war ich dann ziemlich k.o., und hab vorzeitig ein Taxi zur Uni genommen (diesmal durch ‘nen Tunnel und nicht über eine Brücke den Jangzi überquert), während die anderen noch Hankou etwas weiter erkundet haben.
Zum Abschluss noch zwei Impressionen aus meinem Zimmer.
