Studentenleben
Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin jetzt schon seit drei Wochen hier! Mir kommt es vor, als wäre ich erst gestern angekommen.
Mittlerweile ist schon ein gewisser Alltag in mein Leben eingekehrt. Wann ich mit wem wo essen gehe, Wäsche waschen, putzen. Und natürlich Studieren.
Mittlerweile ist unsere Gruppe deutscher Studenten weiter gewachsen, wir haben Zuwachs aus Niederbayern bekommen. Damit ist der Zuwachs in meinem Fachbereich, oder eher angrenzenden Gebieten, gestiegen. Während Michael hier für drei Jahre ist, um seinen Doktor in Fernerkundung zu bekommen, ist Elisabeth hier für ein Jahr, um den Master in Fernerkundung zu machen und einen Doppelabschluss von der TUM und der WHU zu bekommen. Wir sind sowohl fachlich, als auch räumlich, im gleichen Eck.
Wuhan kenne ich auch schon ein bisschen besser, aber wirklich nur ein bisschen. Michael hat uns nach Guanggu begleitet, einem modernen Shoppingzentrum ums Eck. Das interessante an dem Ganzen, sind nicht die modernen Kaufhäuser, sondern die europäische Idee dahinter. Wir sind die spanische Straße entlang flaniert, mit kleinen Balkonen, Eisdielen und Statuen von Flamencotänzerinnen und Stierkämpfern. Die deutsche Straße ist im Bau, die Abbildungen auf den Baustellenzäunen sehen dabei äußerst vielversprechend aus. In dem Eck ist neben der Architektur auch noch was anderes europäisch – nämlich die Preise.
Des Weiteren war ich im Stadtteil Hankou, gezwungenermaßen, unterwegs. Ich hatte meinen Pass abgegeben, und war dort, um ihn, mitsamt meiner neuen Aufenthaltsgenehmigung, wieder abzuholen. Allerdings war ich zu früh dran, und hatte eine Stunde zu warten. In strömendem Regen. Also auf die Suche nach einem Unterschlupf gemacht. Typisch chinesische Aufenthaltsorte sind ausschließlich Restaurants, aber nach Essen war mir nicht zumute. Letztlich habe ich dann ein Cafe gefunden, sehr hübsch, sehr europäisch, sehr bequem. Mit 3€ für einen Kaffe entsprechend teuer. Das Publikum war ausschließlich ausländisch, neben mir hat ein weiterer Ausländer die Zeit bis zum Pass abholen überbrückt. Letztlich hat aber alles geklappt und ich bin jetzt stolzer Besitzer einer Aufenthaltsgenehmigung bis nächstes Jahr. Und ich bin sehr froh, meinen Pass wieder zu haben, es ist doch ein seltsames Gefühl, ohne Papiere unterwegs zu sein.
Ich habe auch meinen Studentenausweis bekommen, aber ich durfte ihn gleich ändern lassen. Entgegen meiner Erwartung, bin ich ja nicht Studentin am Institut für Vermessung und Kartierung, sondern am GNSS Forschungszentrum. Und da die Fakultät bzw. das Institut im Ausweis steht, muss das Ganze nochmal neu gemacht werden. Was mir jedoch am meisten fehlt, ist die elektronische Karte, mit der man in der Mensa, im Unibus und in den Unisupermärkten zahlen kann. Hier am Wohnheim ist es kein Problem, man kann in der Mensa an einem Tresen zahlen, und bekommt einen Wertzettel dafür. Leider scheint es das bei der Mensa, wo ich Vorlesungen habe, nicht zu geben. Zum Glück habe ich nette Kommilitonen!
Die neuen Studenten der Bachelorstudiengänge müssen hier, ebenfalls wie beim Übertritt in die gymnasiale Oberstufe, ein Militärtraining absolvieren. In feschen Uniformen heißt das stramm stehen, laufen, marschieren, drehen etc. auf Kommando.
Meine liebe Mitbewohnerin Paola und ihren Mann Ahmed durfte ich in deren Uni besuchen, der Huazhong Shifan Daxue, also der Central China Normal University. Die ist gleich südlich meiner Uni, da muss ich von meinem Institut aus nur über die Straße gehen. Was den Komfort für Ausländer in den beiden Unis angeht, hat die Huashi doch ein paar Pluspunkte. Moderne Wohnheime, mit Aufzug, hotelartig. Masterstudenten, wie Ahmed, haben ihr eigenes Zimmer mit großem Bett, großem Schreibtisch, eigenem Bad. Und alles neu und sauber. Da ist mein Wohnheim ein heruntergekommenes Dreckloch im Vergleich. Es war sehr schön, wir haben noch einen Mexikaner aufgegabelt und waren zusammen Pizza essen. Noch besser war davor aber das gemütliche Teetrinken mit jemenitischen Süßigkeiten bei Ahmed im Wohnheim.
Das Wetter hat sich gebessert, es ist nicht mehr so heiß, und vor allem nicht mehr so schwül. Nach einigen Regentagen, an denen es richtig kühl war, ist es nun trocken, klar, sonnig bei angenehmen 25 bis 28 Grad.
Ich hatte diese Woche meine ersten Vorlesungen. Zuerst einmal Raumgeodäsie. Das kenne ich letztlich zwar wahrscheinlich schon alles, aber auch Chinesisch ist das Ganze dennoch hörenswert. Zeit- und Raumsysteme, SLR, LLR, VLBI etc. Der Professor spricht sehr schnell, aber die Powerpointfolien sind sehr ansprechend. Ähnlich wie in Deutschland, werde ich hier eine Art Belege machen müssen, „Hausaufgaben“, die 40% der Abschlussnote ausmachen. Noch hat das nicht angefangen. Die zweite Vorlesung, naja. Samstagvormittag, von acht bis halb zwölf. Mathe. Höhere Algebra. Matrizen. Sowieso schon äußerst motivierend. Und dann kommt da der Professor, meint er will alles sehr schnell durchmachen. Ausrichtung ausschließlich am Lehrbuch (hier gibt’s zu jeder Vorlesung ein entsprechendes Lehrbuch), das per pdf vorne angezeigt wird. Ausschließlich Theorie!!! Es kam ein einziges Zahlenbeispiel dran, mit dem Kommentar, seht euch das zuhause an! Nur irgendwelche bescheuerten Determinanten, und wie man das dann als Summe schreiben kann etc. Die mathematischen Schreibweisen unterscheiden sich dabei von denen in Deutschland! Ganz zu schweigen von der Sauklaue des Lehrers, der noch dazu die Tafel immer ganz unten hielt, was die Sichtbarkeit in einem nicht-gestuften Vorlesungsraum in keiner Weise erhöht hat. Ich habe kein Wort verstanden! Einige meiner Kommilitonen sind nach etwa der Hälfte der Vorlesung gegangen. Auch sie haben kaum was verstanden, der junge Herr, der sich sehr wichtig vorkam, mit der Hand in der Hosentasche und einem „ok?“ nach jedem Satz, sprach nämlich dankenswerterweise kein Hochchinesisch.
Aus „meinem“ Gebäude konnte ich in abendliches Foto mit Blick über „meinen“ Campusbereich machen.
Laut Filmen gibt es Insekten, die einem ihre Fähigkeiten durch einen Biss/Stich übertragen können. Spinnen in den USA zum Beispiel. Mich hat folglich vermutlich ein Drache gebissen. Zumindest brennt mein Hals und meine Lunge wie Feuer. In der Apotheke konnte mir schnell geholfen werden, in einer gekonnten Mischung aus traditioneller und westlicher Medizin: Antibiotika und ein Kräuteraufguss.
Ähnlich meinem tollen Bachelorjahrgang in Deutschland, gibt es auch hier gemeinschaftliche Aktionen. Zum Karaoke singen konnte ich leider nicht mit, weil ich an dem Nachmittag meinen Pass geholt habe. Aber gestern sind wir geschlossen (fast 30 Leute) essen gegangen, aufgeteilt auf drei runde Tische. Wir haben geschlemmt! Und vor allem der männliche Anteil hat auch getrunken, was am Ende durchaus amüsant war. Es war ein sehr schöner Abend, der noch lustiger weiterging, als wir uns am Sportplatz zusammengesetzt haben und unseren Spaß hatten. Ich bin relativ bald gegangen, da ich zu Fuß dreißig Minuten unterwegs bin, auf teilweise unbeleuchteten Straßen. Und je später es ist, desto aggressiver reagieren die Straßenhunde.
ousha am 16. September 12
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Eingewöhnung
Ich habe festgestellt, dass es sehr hilfreich ist, ein Tagebuch zu führen. Denn, obwohl nur eine Woche seit meinem letzten Eintrag vergangen ist, habe ich das Gefühl, es ist so viel auf einmal passiert.
Zuerst mal zu den lieben Kommentaren von euch. Vielen Dank, freut mich zu sehen, wer das hier so alles liest. Es ist sehr schwer zu sagen, wie China riecht. Anders als alle anderen Länder, die ich kenne. Wobei das vor allem in Huairou der Geruch war, der mir sehr bekannt ist. Hier in Wuhan kommen noch neue Gerüche dazu. Neulich war ich mal nachts auf dem Unigelände unterwegs, in dichtestem Wald, und auf einmal hat es gerochen wie Chai Latte, würzig, exotisch. Ich würde gerne wissen, was das für Pflanzen sind, die auf diesem Stück wachsen und solche Gerüche hervorrufen.
Im Supermarkt gibt es hier alles! Egal wie klein diese sind, eine Mindestauswahl an Haushaltswaren ist immer zu finden. Und dazu gehört neben Bettzeug auch Putzutensilien, Kochgeschirr, Waschschüsseln etc.
Die Leute hier sind einfach chinesisch. Also sprechen sie Laut, leben viel von ihrem Leben auf der Straße, … Es ist schwer das alles hier aufzuschreiben, weil es für mich nicht neu ist. Also ich jetzt nicht genau sagen kann, was mir daran besonders auffällt oder neu ist. Es ist, als ob in meinem Herz und Kopf der Schalter von Deutschland auf China umgestellt wurde, und es einfach wieder alles wie früher ist. Einfach normal.
Das mit Bildern ist so eine Sache. Früher hätte ich hier etwa alle hundert Meter ein Foto gemacht, aber es ist eben einfach alle normal. Ich habe mich jetzt gezwungen ein paar Bilder zu machen, um ein bisschen von dem Ganzen wiederzugeben. Vielleicht kommt ja meine Fotolust mal wieder, dann werde ich wohl mehr zeigen können.
Allmählich habe ich mich wirklich eingelebt. Ich kenne meine für mich wichtigen Ecken schon ziemlich gut, habe meine Standardsupermärkte und Straßenrestaurants, ich kenne die wichtigen Wege auswendig und habe die kürzesten Verbindungen gefunden. Ich kann ohne große Probleme eine Straße ohne Ampel überqueren und wundere mich nicht mehr über den Geräuschpegel, sowohl natürlich als auch menschlich, um mich herum.
Ich hab euch ein Video herausgesucht, auf dem mal ein paar Eindrücke (oder auch ein paar mehr) von der Uni zu sehen sind, vielleicht hilft das ein paar Leuten, sich das Ganze besser vorzustellen. Ich hätte schon zweimal die Möglichkeit gehabt einen tollen Blick über die Uni aus einem Gebäude am Südrand der Uni aufzunehmen, aber ich hab mich nicht getraut. Schließlich bin ich ja Student und nicht Tourist.
http://v.youku.com/v_show/id_XMzkyMzI0.html
Auf dem Bild, das man hier hoffentlich sieht, ist unten der Bereich eingekreist, wo ich Uni hab, und oben rechts hab ich mein Wohnheim markiert.
Mein hauptsächlicher Aufenthaltsort in Essensangelegenheiten ist mittlerweile die Straße direkt am Donghu (Ostsee) geworden, die wirklich direkt ums Eck liegt. Dort gibt es neben mehreren kleinen Supermärkten vor allem Unmengen an Möglichkeiten ein billiges Essen zu bekommen. Dort gibt es einen Nudelstand, bei dem Nadine, eine andere DAAD Stipendiatin, und ich, schon fast Stammkunden sind. Nudeln sind sowieso mein Grundnahrungsmittel, in allen Variationen. Ansonsten gibt es häufig mal Baozi (gefüllte, gedämpfte Teigtaschen) oder auch mal gebratenen Reis oder eine wirkliche Mahlzeit in einem billigen Restaurant.
Von den Essgewohnheiten bin ich noch immer sehr chinesisch, ich esse auch die Sachen gern, bei denen manch einer den Mund verzeiht, wie tausendjährige Eier, Sojamilch, rote Bohnenpaste oder Hühnerfüße. Auch sonst komm ich gut klar.
Das Wetter ist sehr gut, nur sollte es mal wieder regnen, um Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu senken. Abends ist es sehr schön, wenn alle Lichter leuchten, um einen herum die Chinesen essen und spazieren und die Fledermäuse über einem durch die Luft tanzen, während man am See sitzt und der Mond sich im Wasser spiegelt.
Mein Wohnheimszimmer habe praktisch für mich allein, weil meine Mitbewohnerin nur pro forma hier wohnt. Damit habe ich viel Platz, viel Ruhe, keinen nach dem ich mich richten kann, aber ich bin damit auch etwas mehr allein. Kein Problem, draußen gibt ‘s ja noch genügend andere Leute. Somit ist unsere WG jetzt zu dritt und komplett, und wir sind sehr international. Vier Leute von vier Kontinenten. Da hier nicht alle chinesisch sprechen, insbesondere da es hier einige Englischsprachige Studiengänge gibt, ist Englisch die Hauptumgangssprache zwischen den ausländischen Studenten. Wobei mir da sehr deutlich auffällt, wie eingerostet mein Englisch ist.
Am Donnerstag musste ich dann meine Rede halten. Nach mehrmaligen Korrekturen war sie fertig und ich hab noch ein paar Mal geübt. Ich war extrem aufgeregt! Morgens um 7 war Treffen, mit den besten Klamotten die ich hier habe. Neben mir waren als Auswahl der neuen ausländischen Studenten etwa 15 Leute mit und wir sind zusammen zum Veranstaltungsort unter freiem Himmel. Das Publikum war sowohl von den Leuten als auch der Umsetzung sehr chinesisch. In der Mitte vor der Bühne saßen streng und aufrecht vier Reihen Militärs, daneben haben sich in ebensolchen Reihen, aber weniger streng, dafür genauso akkurat, die chinesischen Neulinge nach Fächern sortiert aufgereiht. Alle saßen ganz brav auf kleinen Holzhockern. Dazwischen diverse Banner, an großen roten Ballons schwebend. Die Bühne war mit vier Stuhlreihen und Tischen für die wichtigen Personen ausgestattet, vorne in der Mitte der Direktor. Ich war fürchterlich nervös, wann ich denn schon mal auf die Bühne gehen soll, wie ich von dort wieder runter komme etc. Bis dann einer der Lehrer feststellte: „Ou Sha, da oben steht dein Name. Du sitzt auf der Bühne!“
Kleiner Einschub: Mein neuer Name, Ou Sha. Aus meinen früheren Aufenthalten hatte ich ja schon meinen chinesischen Namen, Danni, mitgebracht. Sehr ausländisch klingend meiner Erachtens, ursprünglich ohne Nachnamen, aber ok. Aber die Uni hat Namen verteilt, und ich hab 欧莎 abbekommen. Klingt schön, ist wirklich chinesisch und gefällt mir. Also hab ich nicht protestiert.
Zurück zum Geschehen: Ich bin also auf der Bühne gesessen, in der zweiten Reihe, also sogar noch mit Tischdecke und Tee zum Wasserfläschchen dazu. Gleich neben den Direktoren und wichtigen Professoren. Zuerst wurde die Flagge gehisst, dann hat der Direktor seine Rede gehalten, dann ein studentischer Vertreter, und dann ich. Ich war so nervös, ich musste das Blatt, auf dem meine Rede stand auf das Rednerpult legen, weil meine Hände so gezittert haben, dass ich es nicht halten konnte. Vor mir ein Meer aus Studenten (mehrere Tausend). Und ich hab meine Rede mit kleinen Fehlern gehalten – und endlich war es vorbei. Ich war erleichtert. Im Nachhinein haben viele gesagt, dass ich es sehr gut gemacht habe. Und so fürs erste Mal, und dann auch noch auf Chinesisch, denke ich war es schon ok.
Am selben Tag war noch eine Einführungsveranstaltung für meinen Studiengang. Als ich ankam, haben mich meine Kommilitonen dank der Rede schon gekannt. Überhaupt kennt mich jetzt die ganze Uni, ich höre es immer wieder um mich herum tuscheln. „Oh, schau mal, das ist die von der Rede.“ „Dreh dich mal um und schau, wer hinter uns geht.“ „Sag mal, ist das nicht die…“ Naja. Die Einführungsveranstaltung war super. Ein paar Professoren haben ihre Forschungsrichtungen vorgestellt und ein wichtiger Mann hat einen kleinen Vortrag gehalten. Da war ich baff. Ich habe viel von China erwartet, aber garantiert nicht so was! Die wichtigsten Personen an der Universität sind wir, die Studenten. Die Lehrer haben folglich uns zu dienen, und wir sollen alles sagen, was uns nicht passt, und kommen, wenn es Probleme gibt. Und andere Meinungen akzeptieren, schließlich sind die Gedanken ja frei. Und wenn die Möglichkeit besteht ins Ausland zu gehen, sollen wir das machen, und und und. Insgesamt ein sehr motivierender und beeindruckender Beitrag. Ziemlich lockere und freundliche Atmosphäre im Institut.
Die Studenten sind hier mittels QQ sehr gut vernetzt. Was wir in Deutschland im Bachelorstudiengang im Laufe der Zeit hinbekommen haben, steht hier schon nach einer Woche. Kontaktdaten, reger Austausch. Insbesondere, da wir eine eigene QQ Gruppe haben. Ich bin von allen sehr nett begrüßt worden, alle haben mir ihre Hilfe angeboten, insbesondere der BanZhang, eine Art Klassensprecher.
Durch meine freie Auswahl an Fächern, die mir ermöglicht wurde, beginnen meine Vorlesungen erst nächste Woche. Unter anderem die Samstagmorgen um 8 Uhr. Dennoch konnte ich schon was Fachliches erleben, da gestern ein Vortrag eines chinesischen Professors vom finnischen geodätischen Institut war. Er hat über die Weiterentwicklung von Smartphones zu Cognitive Phones referiert, über die Zielsetzungen, die verschiedenen Sensoren, Umsetzungsmöglichkeiten und den aktuellen Stand der Entwicklung. Wer jetzt fragt, was das mit meinem Studiengang zu tun hat, dem kann ich nur sagen: Da stecken lauter Rauminformationen drin, Navigation, GNSS gestützte Systeme. Es war sehr interessant, und ich habe viel verstanden (insbesondere da die dazugehörigen Folien chinesisch und englisch waren).
Und jetzt langt es mal wieder.
ousha am 08. September 12
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Die ersten Tage
So, hiermit hab ich jetzt endlich einen funktionierenden Blog aufgebaut. Mein alter Blog funktioniert zwar noch, die Seite ist nicht gesperrt, ich weiß mein Passwort noch, ich kann mich einloggen, aber ab da geht’s dann nicht mehr weiter. Also brauchte ich einen Neuen, und das war ganz schön kompliziert. Was hier alles gesperrt ist….
Aber jetzt mal zu den wesentlichen Dingen. Ich hab wieder vor regelmäßig zu schreiben, und da ich mittlerweile seit über einer Woche in China bin und Internetzugang habe, muss ich wohl mal loslegen.
Nach einem sehr schönen Abschied am Münchner Flughafen hatte ich einen sehr unguten Flug nach Peking, da ich mir wohl anscheinend den Magen verdorben hatte. Entsprechend müde war ich, als ich ankam, und entsprechend geruhsam sah dann mein erstes Wochenende in China aus. Ich bin erst mal wieder nach Huairou zu meiner Gastfamilie. Es hat sich kaum was verändert seit dem letzten Besuch. Nur meine kleine Gastschwester 聪聪 (Congcong) arbeitet mittlerweile. Und als junge staatliche Angestellte hat man nicht sonderlich viel Freizeit. Zum Glück konnte sie sich eine Nacht frei nehmen und wir konnten ein klein wenig Zeit miteinander verbringen. Ansonsten sah auch die Freizeitgestaltung nicht viel anders aus als früher auch. In großem Familienkreis traf man sich bei der Oma, es wurde zusammen gekocht, gegessen, geredet und ausgeruht. Neu ist allerdings die Beschäftigung durch die Jüngsten der Familie. Die kleinste Cousine ist mittlerweile 4 Jahre als, pummelig und ein ziemlich freches Gör. Und der erste Sprössling der neuen Generation ist ein stolzes Jahr alt und zieht natürlich alle Aufmerksamkeit auf sich. Leider konnte ich nicht den ganzen Nachmittag bleiben, da ich auch noch an meiner alten Schule mit dem alten Lehrer 王 (Wang) verabredet war. Wie immer war es eine Mischung aus lockerem Erzählen, alten Erinnerungen und einer Schulstunde. Diesmal bekam ich als ganz harten Stoff eine Konfuziusinterpretation mit auf den Weg. Ansonsten habe ich eben hauptsächlich geschlafen und geschlafen und geschlafen, damit ich auch fit in dem mir unbekannten 武汉 (Wuhan) ankomme.
Aus dem heißen Peking kam ich dann ins 23°C kühle 武汉 (Wuhan). Und mich hat der Schlag getroffen! Aus dem Flugzeug sah ich unter mir nur Wasser (Seen, Flüsse Teiche) und der Rest war auch noch ziemlich nass, da es vormittags heftigst geregnet haben muss. Bei einer sich daraus ergebenden Luftfeuchtigkeit sind auch 23° nicht ohne. Der Taxifahrer wusste zwar nicht genau, wo ich hin musste, aber mit Nachfragen und ein bisschen im Kreis fahren bin ich angekommen. Und dann stand ich da, mit meinem schweren Gepäck. Erst mal Anmeldeformalitäten, dann hab ich zum Glück recht schnell meinen Wohnheimsplatz bekommen, und der lag zum Glück nicht weit entfernt.
Das Wohnheim ist von den Räumlichkeiten besser als gedacht, ich wohne in einer Art Vierer-WG mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnraum, einem Bad und einem Balkon. Noch sind wir zu Zweit, aber das wird sich morgen wohl ändern. Als erstes hab ich mir im nächsten Supermarkt (den mir die Nachbarinnen zum Glück zeigten) Bettzeug besorgt, und die erste Nacht war gerettet.
Die Anmeldeformalitäten haben sich noch eine Weile hingezogen, in dieses Büro, in jenes Büro und dann noch der Gesundheitstest. Ich hab die Adresse bekommen und bin mit dem Taxi hin, lief alles ganz gut. Fast alles ist angerechnet worden, nur Blutbild und Bruströntgenaufnahme musste ich noch machen. Die Rückfahrt zur Uni hab ich auf dem Rücksitz eines Motorrads verbracht, ein Taxi war dort nicht zu bekommen.
Diese Formalitäten waren alle problemlos, dennoch habe ich meinen persönlichen Gegner gefunden: Die Bank of China! Kontoeröffnung, kein Problem. Das komplett chinesische Anmeldeformular ist für mich kein Hindernis – aber dann. Sollte irgendjemand der das hier liest vorhaben, seine Kinder mal für länger nach China zu schicken, BITTE gebt diesen einen Namen ohne Umlaute und bloß keinen zweiten Vornamen! Aber anscheinend hat es jetzt geklappt.
Wie es mit meinem Fachstudium aussieht, weiß ich noch nicht genau, aber anscheinend erfahre ich nächste Woche genaueres. Jedenfalls gehe ich zu Fuß 45min bis zu meiner Fakultät, weil ich den Berg der Uni auf dem Weg umrunden muss. Wahrscheinlich kaufe ich mir doch ein Fahrrad, wobei die Berge ohne Gangschaltung auch etwas unangenehm werden.
Mein Chinesisch macht mir keine Probleme, was Fluch und Segen zugleich ist. Es macht die Verständigung unkompliziert und eröffnet viele Wege (ich kann die Anschriften an den Straßenständen lesen), aber das Privileg hat mich jetzt zu der Ehre gebracht, als Vertreterin für die ausländische Studentenschaft bei der Eröffnungsfeier vor der ganzen Uni eine Rede zu halten. Die muss natürlich auch geschrieben werden, und 5 Minuten können ganz schön lang sein. Die Vorbereitungen haben einen Haufen Zeit gebraucht, mal sehen was der jetzige Korrektor (hoffentlich abschließend) dazu sagt.
Das Wetter ist nicht so schlimm wie gedacht, oder man gewöhnt sich dran. Also Schwitzen muss man so oder so. Dabei ist gar nicht mal die Sonne ein Problem, nein. Die scheint ja nicht mal sonderlich viel, meist hängt alles voller Wolken und Dunst. Aber die Luftfeuchtigkeit! Meine Wäsche braucht ewig zum Trocknen. Heute Morgen gab es zum Glück ein Gewitter, aber was für eines! Es hat gerumpelt und geblitzt und es war schwarz draußen und es hat geschüttet! Alle Straßen und Flächen haben sich in Flüsse und Seen verwandelt. Jetzt ist es nur noch grau, die Luftfeuchtigkeit ist wie zuvor auch, aber die Temperatur ist etwas gesunken (die letzten Tage waren es so ca. 33°C).
Das Unigelände ist ein einziger Dschungel. Einerseits gibt es viele Straßen und Wege, andererseits viele Bäume. Dicht bewachsen, Palmen, handtellergroße (nein Franka, nicht wie deine) Schmetterlinge in schwarz-türkis, riesige Käfer mit Geweih, ach ja, und 5cm große Kakerlaken in meinem Zimmer. Dazu zirpt und zischt und quietscht es in einer Tour, ohne dass ich sagen könnte, ob es sich um Vögel oder Insekten handelt.
Ansonsten ist aber alles doch China, China wie ich es zu einem gewissen Grad schon kenne. Die Leute reden und verhalten sich wie erwartet, die Kleidung ist vom Stil auch nicht sehr anders geworden. Und es riecht nach China. Das kann ich gar nicht beschreiben, aber es war mit das erste, was mir aufgefallen ist. Es riecht wieder nach China. Und das ist schön!
ousha am 02. September 12
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