Weihnachten - eine chinesische Katastrophe!
Zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich letzte Woche nichts geschrieben habe. Aber eine Woche, in der ich fünf Tage krank im Bett liege, ist nicht sonderlich ereignisreich.
Dafür gibt es jetzt wieder ein bisschen zu erzählen.
Mein Mann hat ganz fleißig gearbeitet, und ist deshalb als lächelndster Mitarbeiter des Monats gewählt worden. Neben einem entsprechenden Anstecker, der jetzt den Platz über seinem Namensschild ziert, gab es dafür auch einen Verzehrgutschein im Wert von 100 Yuan. Dafür hat er mich dann ganz glamourös zum Essen ausgeführt. Und ich hab meinen Fotoapparat nicht mitgenommen! So muss ich unser Gelage in Worten beschreiben: Es gab kalte leicht scharfe Muer-Pilze, süßliche köstliche Auberginen, mit tonnenweise Knoblauch gegartes süßlich-scharfes Hühnchen, Nudeln mit Garnelen-Wantan, mit Klebreis gefüllte süße Lotoswurzeln, den ominösen Toastblock mit Honig und Eis (Spezialität des Hauses) und danach einen köstlichen exotischen Früchtetee (mit echten Früchten). Ein Genuss!
Es ist immer Obstsaison. Und zurzeit besonders für exotische Sachen, so probieren wir uns gerne mal etwas durch. Zuckersüße Minimandarinen, litschiartiges Obst mit roter und haariger Schale, Minimangos, …
Die Uni läuft dafür nicht so toll. Irgendwie ist es leicht stressig. Was wohl daran liegt, dass ich sechs verschiedene Kurse belege, während in meinem Bekanntenkreis der Schnitt bei vier liegt. Das betrifft die Chinesen. Bei Ausländern tendenziell eher zwei. Jetzt steh ich da, und weiß kaum mehr weiter. Heute (theoretisch, s.u.) ein Referat über Allan Variance und Power Spectral Density, auf Englisch. Die Hausarbeit dazu ist bis 13.1. abzugeben. Zwei Berechnungen (GPS-Netz und Tunnelbau) stehen bis 31.12. an, am 4.1. ist Prüfung in Fehlertheorie, dann kommen noch fünf Hausarbeiten bis 20.1. Selbstverständlich ist das, abgesehen von ersterem, alles auf Chinesisch! Mal sehen, wie das noch wird…
Ja, und heute ist Weihnachten. Ich wünsche euch allen ein schönes Fest. Für mich hat es kaum Bedeutung, und das ist auch gut so, sonst wär ich wohl noch mehr geknickt. Ich hätte heute Referat halten sollen, als eine von fünf. Nur das der zweite und dritte Referent nicht 20 Minuten, sondern 50 Minuten geredet haben. Ersterer qualitativ hochwertig, aber viel zu detailliert. Und englisch mit pakistanischem Akzent ist auch so eine Sache für sich. Der andere grottenschlecht, er hat vergeblich versucht irgendeine Analyse mit irgendeinem Programm durchzuführen, dazwischen ein bisschen sehr, sehr schlechte PPT. Ich würde diese Referate gerne mal einem deutschen Dozenten zeigen, und dessen Bewertung erfahren. Auf jeden Fall war dann die Zeit zu knapp, und ich kam nicht dran.
Ach ja, das chinesische Notensystem: Es ist (glaube ich) wie in den USA. A, B, C und D, mit den jeweiligen Abstufungen + und -. Also recht gut mit den deutschen Uninoten von 1 bis 4 mit Abstufungen vergleichbar. Mit einem enormen Unterschied. Wenn du ein B hast, bist du SCHLECHT! Am Anfang wollte ich das nicht glauben, aber es ist wahr! Die spinnen, die Chinesen!
Und das nicht nur wegen der Noten. Heute ist Weihnachten. Das weiß auch China. Wie so was abzulaufen hat, schaut man sich beim nächsten Nachbarn ab – den USA. Hej, die kaufen ja alle an Weihnachten ein! Also lasst uns am 24.12. eine verkaufsoffene Nacht machen. Ich war gegen 19 Uhr draußen. Und mich hat der Schlag getroffen. Meine Wohnung liegt ideal, Future City mit einigen Geschäften, Lotte City, wo mein Mann arbeitet und neben Geschäften und Restaurants auch ein KTV und Kino ist, und gleich daneben Chicony, das etwas edlere Kaufhaus. Alle jeweils etwa acht Etagen. Also sind alle Leute hier. Und zwar wirklich alle! Es geht zu wie in Peking am Nationalfeiertag! Menschenströme, mit blinkenden Rentiergeweihen auf dem Kopf, die an allen Ecken verkauft werden, ebenso wie diverser anderer Kram. Dazwischen eine Bühne, wo durch diverse Spielchen Gutscheine (z.B. 800 Yuan KTV) unter die Leute gebracht werden. Dazu Dauerbeschallung amerikanischer Weihnachtslieder, dazwischen immer wieder mal Gangnamstyle. Das ist ein Weihnachten!
ousha am 24. Dezember 12
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Die Prüfungen haben begonnen
Langsam kehrt wieder Alltag in mein Leben ein, nachdem so viele außergewöhnliche Ereignisse waren. Ich habe einen neuen Tagesrythmus gefunden, der sich an den Arbeitszeiten von Mohamed orientiert. Damit stehe ich deutlich später auf als früher, gehe aber auch später ins Bett. Auch die Essenszeiten haben sich verschoben. Alles in allem läuft es allmählich wieder rund.
Diese Woche hatte ich meine erste Prüfung, im Fach Zeitreihenanalyse. Ich war sehr nervös. Nicht nur, weil es meine erste chinesischsprachige Fachprüfung war, sondern auch weil es meine erste „KaiJuan“ Prüfung war, also eine Prüfung mit „offenen Rollen“. Das bedeutet, dass man alle Bücher und Unterlagen zur Prüfung mitnehmen kann, also jegliche Fachliteratur, Vorlesungsunterlagen etc. Eine komische Vorstellung, und ich hatte recht wenig Ahnung, wie ich mich darauf vorbereiten sollte. Obwohl ich mein Lehrbuch und die Lösungen zu den Aufgaben im Lehrbuch dabeihatte, war es ziemlich schwer. Die letzten beiden Kapitel zur Spektralanalyse konnte ich nicht gut, da der Dozent dazu keine Hausaufgaben aufgegeben hatte. Und es war ziemlich viel dazu gefragt! Dazu kam dann noch, dass ich manche Wörter nicht ganz verstanden habe. Nächstes Mal nehm ich doch ein Wörterbuch mit. Das wegen den letzten beiden Kapiteln war echt doof, wenn es viele Punkte gibt auf eine Frage, die in etwa so lautet: Erläutern Sie die Unterschiede zwischen Spektralschätzung mit und ohne Parametern. Welche Methode ist Ihrer Meinung nach effektiver? Von diesen Parameterunterscheidungen hatte ich noch nie was gehört und auch nichts gefunden. Das nur so als Beispiel. Also war die Prüfung dennoch nicht ohne. Trotzdem hätte ich die ganze Prüfung über den Kopf schütteln können. Das nennen die Prüfung?! Ich hätte gerne allen Kommilitonen mal gezeigt, wie eine Prüfung in Deutschland abläuft. Der Ablauf war Folgendermaßen: Alle strömen in den Raum, in dem die Prüfung abgehalten wird. Das Ziel ist, dabei einen Platz zu bekommen, der möglichst wenig vom Dozent eingesehen werden kann, und an dem im Umkreis möglichst viele sitzen, die Ahnung von der Sache haben. Dann geht es los, der Dozent teilt die Aufgaben aus. Alle sitzen irgendwie. An einer Stelle waren es dem Dozenten dann doch zu viele auf einem Haufen, also hat er zwischendrin ein bisschen umsortiert. Während er durch die Reihen schreitet, ermahnt er des Öfteren: Macht die Aufgaben alleine, schaut nicht zum Nachbarn. Daran gehalten hat sich keiner. Zwischendrin hat mal ein Handy geklingelt, und gezückt hatten es sowieso alle. Es war nicht still, sondern eher ein durchgehendes Raunen im ganzen Raum. Zum Ende (die Abgabezeit wurde kurzfristig um 10 Minuten heraus gezögert), musste man einpacken und seine Arbeit vorne beim Dozenten abgeben. Bzw. sollte man. De facto haben jetzt alle miteinander diskutiert, Aufgaben verglichen, noch schnell was abgeschrieben, und sind bestimmt noch 5 Minuten sitzen geblieben. Ich war schockiert! Die wären in Deutschland alle aus der Prüfung geflogen! Aber egal. Ich hab die Prüfung auf alle Fälle hinter mir, und damit endlich ein Fach weniger.
Ich hab jetzt endlich ein Mal ein paar Bilder von der Wohnung gemacht, damit man sieht, wie klein sie ist. Und wie hübsch. Nach dem, was ich so im Gespräch mitbekommen habe, stellen sich die Meisten unsere Wohnung nämlich deutlich größer vor, als sie ist.
Das ist also meine Wohnung, wie man sie sieht, wenn man genau in der Balkontür steht.
Und das ist die Wohnung, von der anderen Seite aus gesehen. Zuletzt noch das Bad:
Wie man sieht, habe ich nur eine chinesische Toilette, die auch als Abfluss fungiert. Daran habe ich mich schon absolut gewöhnt, da in der Uni auch keine anderen sind. Wenn ich dann ab und zu mal im Wohnheim auf Toilette gehe, ist das richtig ungewohnt, denn da gibt es europäische Toiletten.
Insgesamt ist meine Wohnung sehr hübsch, sehr hell und mit schönem Ausblick. Und dann hab ich noch Holzfußboden und Tapeten, was für China sehr ungewöhnlich ist. Ich leb sehr gerne in der Wohnung.
ousha am 08. Dezember 12
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Geburtstag etc.
In dieser Woche ist sehr viel Passiert, ohne dass ich das Gefühl habe, viel gemacht zu haben.
Aber zuerst gibt es einen ganz kurzen Nachtrag zum letzten Eintrag, nämlich ein Bild vom deutschen Stand, morgens beim Aufbau, am Kulturfestival.
An der Uni läuft es teilweise richtig schlecht. Ich konnte eine Hausaufgabe, die Teil der Prüfungsleistung ist, nicht abgegeben. Mit drei verschiedenen Programmen habe ich mich durch eine GPS Messung gekämpft, und bei allen kam nur Mist raus. Und das mir, wo ich doch meine Bachelorarbeit über GPS geschrieben habe! Am Ende habe ich eine Mail an den Professor geschrieben, dass es mir Leid tut, ich aber die Hausaufgabe nicht abgeben kann. Er hat mir Ausländerbonus gewährt, ich darf später noch abgeben. Dafür hat er mich im Unterricht vor allen Leuten darauf angesprochen. Da, schaut mal, die Ousha, die hat das nicht gemacht. Erzähl doch jetzt allen mal, was dein Problem ist. Ich war knallrot! Ich hab mich so geschämt!
Die zweite Hausaufgabe, die in einem anderen Fach abzugeben war, lief deutlich besser. Zeitreihenanalyse ist auch bisher eines meiner stärksten Fächer hier. Da ich aber durch das andere Fach kaum Zeit dafür hatte, bin ich auf mein deutsches Belegschema zurück gekommen und habe nachts am Tag vor der Abgabe alles geschrieben. Neun Seiten Analyse amerikanischer Milchproduktion. Hier hat mir noch ein Kommilitone geholfen, das richtige ARIMA-Modell zu verwenden. Nächste Woche ist Prüfung. Mal sehen wie das läuft.
Und dann war da mein Geburtstag. An dem ich, wie oben beschrieben, bis nachts um 1 an meinen Hausaufgaben saß. Und dann morgens um 8 Uni hatte, bis mittags um halb eins. Dementsprechend fertig war ich nachmittags, und hab mich erst mal ausgeruht. Dann hieß es schon, für den Abend vorzubereiten. Ich hatte eine Torte bestellt, dann habe ich noch Säfte besorgt und mein Wohnheimszimmer für die Gäste hergerichtet.
In einer internationalen Gruppe haben wir dann geschlemmt. Insgesamt gab es zwei leckere sahnige Torten, und ich habe auf fünf Sprachen ein Geburtstagsständchen bekommen. Natürlich auf Deutsch, englisch und chinesisch, dazu haben dann Sabine und Paola auf Spanisch gesungen, und Mohamed (also mein Mann) und Ahmed auf Arabisch.
Alles in allem ein schöner Tag, nur der krönende Abschluss kam erst danach. Ich habe alle recht bald wieder rausgeschmissen, da ich doch ziemlich fertig war. Schnell etwas aufgeräumt und geputzt, dann im Dunkeln über das Unigelände nach Hause. Es war recht kalt, also steckte ich schön die Hände in die Hosentaschen und das Gesicht habe ich so gut es geht in Schal und Mantel versteckt. Dabei ging ich so zügig wie immer. Und dann war sie da auf einmal, die Straßenlaterne.
Den Rest des Weges habe ich im Taxi zurückgelegt. AM nächsten Tag war ich abends beim Arzt. Es ist nichts Schlimmes passiert, aber ich soll mich schonen. Ich habe daraufhin das Stipendiatentreffen in Peking abgesagt. Schade, aber es ging mir wirklich nicht gut. Langsam wird es aber besser. Mittlerweile kann ich darüber lachen und finde es schade, dass ich an dem Abend kein Foto von der riesigen Beule an meinem Kopf gemacht habe. Am nächsten Tag war sie schon deutlich abgeklungen. Jetzt sieht man sie gar nicht mehr, aber ich kann sie noch spüren.
Für Mohamed hat sich auch sehr viel getan. Er hat jetzt einen chinesischen Namen, nämlich MoHa, und einen Arbeitsplatz in einem noblen chinesischen Restaurant. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, insbesondere da er chinesisch sprechen muss, gefällt es ihm mittlerweile sehr gut. Geregelte Arbeitszeiten inklusive drei Mahlzeiten vor Ort (sie musste sich ganz schön umstellen, da er kein Schweinefleisch isst), nette Kollegen und hübsche Kolleginnen tun ihm sehr gut. Und ich hätte jetzt Zeit schön viel für die Uni zu machen. Leider haben mich die Kopfschmerzen anfangs davon abgehalten. Also war ich die meiste Zeit im Bett gelegen und habe die Bücher gelesen, die ich zum Geburtstag bekommen habe. Dabei habe ich festgestellt, dass es sinnlos ist mir, Bücher zu schenken. Am 1. Dezember war schon alles ausgelesen.
ousha am 03. Dezember 12
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