Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen
Jetzt hab ich ja schon wieder eine kleine Ewigkeit nicht geschrieben. Aber es ist ja auch sehr viel passiert. Ich versuche mal kurz zusammenzufassen, was alles passiert ist.
Mitten in der Prüfungsvorbereitung, in meiner letzten nachmittäglichen Vorlesung, habe ich gemerkt, dass es mir nicht gut geht. Fix bin ich nach Hause, um die gerade beginnende Migräne so gut es geht abzuwenden. Leider waren die chinesischen Tabletten dabei nicht hilfreich. Mein Mann hat meinen Zustand beunruhigt beobachtet und dann beschlossen, dass es so nicht weitergeht. Er hat sich eine Arbeitskollegin geschnappt und sie haben mich per Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Mein Zustand war nicht der Beste, es kamen einige Kontrollen, CT etc., dazwischen immer mal wieder was gezahlt. Ich bekam nicht viel mit. Erst als ich mit Infusionen im entsprechenden Saal saß, konnte ich allmählich klar denken. Infusionen kriegt man in China fast immer, dementsprechend voll war es. So saß ich stundenlang, voll umsorgt, bis ich wieder nach Hause konnte. Da war es dann schon spät in der Nacht. Die Medikamente haben auf alle Fälle geholfen, nur ist eine schnell laufende Infusion kein Spaß, es tut weh und die Hand kühlt dabei enorm aus. Und ich habe mir den Zugang bei einer unbedachten Bewegung durch die Ader gestoßen. Aber ich hab es überlebt und mir geht es wieder gut.
Leider war ich deshalb dennoch etwas mitgenommen und habe letztlich drei Tage im Bett verbracht. Zwei Tage darauf hatte ich schriftliche Prüfung in Fehlertheorien. Entsprechend mies lief es. Ich habe mittags zum ersten Mal die Klausuren der letzten Jahre gesehen, da wusste ich, das kann nichts werden. Dennoch war ich danach sehr erleichtert – denn das war der Beginn meiner Ferien. Theoretisch hätte ich noch für zwei Fächer fünf Hausarbeiten schreiben müssen, aber dann habe ich diese Fächer eben nicht belegt. Eine riesige Last ist in diesem Moment von mir gefallen.
In bester Ferienlaune kam ein Anruf der Sekretärin des GPS Instituts: Ich muss mir alle Noten von den einzelnen Professoren abholen und separat mit Stempel bestätigen lassen. Bisher konnte ich erst zwei von vier Professoren erreichen, die anderen sind wohl schon im Urlaub. Die beiden Fächer, in denen ich Belege schreiben musste, fielen aber sehr gut aus.
Mein Mann wurde mal wieder zum lächelndsten Mitarbeiter des Monats gewählt, sodass ich in den Genuss von würzigem Fischkopf, Muscheln, Blumenkohl, Pomelotee und Obstsalat kam. Zum Fotografieren bin ich mal wieder nicht gekommen.
Pünktlich zum anstehenden Ferienbeginn hat sich das Wetter geändert. Aus Schneefall wurden plötzlich Plusgrade und Sonnenschein. Mittlerweile gefriert es nachts noch manchmal, tagsüber sind bei schlechtem Wetter um die fünf Grad, bei Sonne aber durchaus mal über fünfzehn. Es ist toll. Dazu ist jetzt auch endlich mal die Klimaanlage eingetroffen. Da es jetzt jedoch um einiges wärmer ist, sehe ich darin fast einen Nachteil: Mein schöner Balkon ist von der Außenanlage direkt ein bisschen verschandelt.
Die freie Zeit heißt es jetzt sinnvoll zu nutzen. Endlich mache ich wieder etwas Sport. Morgens oder abends gehen wir zusammen Laufen. Dabei halten wir uns an die schulischen Sportplätze, wo wir unsere Runden drehen. Nur dort ist der Untergrund angenehm und es ist etwas ruhiger. Das ist toll, wenn nachts neben dem Sportplatz junge Studenten klassisch chinesische Querflöte üben oder morgens die Männer am Sportplatz ihre Diabolo-Kunstwerke vorführen.
Leider gibt es dabei dennoch ein Problem. Die gute Wuhaner Luft. Kaum ist man draußen, fällt das Atmen schwer, der Hals brennt, der Rachen wirkt wie belegt. Heute Morgen war bei strahlend blauem Himmel die Sicht etwa 100m weit. Wann kommt denn mal wieder ein richtig schöner Regenschauer, der die Luft rein wäscht?
Dennoch genieße ich die Ferien draußen. Auf der anderen Seite des Flusses, im Stadtteil Hankou, liegt der Zhongshan-Park, in sehr schönem chinesischem Stil. Dort kann man wunderbar Tretboot fahren. Noch schöner ist es jedoch direkt auf dem Donghu, gleich außerhalb des Unigeländes. In den wärmenden Sonnenstrahlen kann man den Frühling schön genießen. Außerdem habe ich endlich mal den Luojia-Berg auf dem Unigelände bestiegen. Die Aussicht war nicht erwähnenswert, da alles recht grau war, aber dennoch war es schön.
Eine witzige Begebenheit gibt es noch. Ich war mit meinem Mann in Hankou unterwegs, als wir auf eine Bühne trafen. Mit Moderation musste man dort kleine Geschicklichkeitsspielchen durchführen, letztendlich eine Werbeaktion von Maidong, einem Getränk. Mein Mann hat sich daran probiert und wir bekamen Gratisgetränke. Nach etwas Überlegen habe ich mich auch daran versucht. Die erste Aufgabe war, einen Ball über eine L-förmige Bahn zu schubsen, sodass er in einer Kiste landet. Danach mussten 50 Bälle in 20 Minuten von einer Kiste in die andere befördert werden. Zuletzt musste man ein Brett mit zwei Bällen anheben, um 180° drehen und zurücklegen. Irgendwie hab ich alles geschafft. Ich war nervlich ziemlich mitgenommen, die Bälle kugelten wie toll auf dem Brett herum. Großer Applaus, super, hier ist euer Gewinn, ein Weibolu und Öl. Also standen wir da, mit ‘ner großen Schachtel und ‘nem 10l Speiseölkanister. Aber was bitte ist ein Weibolu? Ich hab noch nie davon gehört, aber egal, die 15kg werden mit Bus und U-Bahn nach Hause transportiert. Auf dem Weg habe ich es dann kapiert. Ich hab soeben eine Mikrowelle gewonnen! Ich konnte mich vor Lachen nicht mehr halten. Jetzt hab ich eine Mikrowelle, die ich nicht brauch. Hat jemand eine Idee, was ich damit machen soll?
Mit den Ferien hat sich Stille in Wuhan ausgebreitet. Die Studenten fahren heim, aber nicht nur die. Das Frühlingsfest steht an, meist die einzige arbeitsfreie Zeit für Chinesen. Wer kann, besucht seine Eltern. Und es können viele! So langsam schließen Restaurants und Läden, die Straßen und Kaufhäuser entvölkern sich. Noch zwei Wochen, bis das Jahr der Schlange beginnt.