Der Aufruf mit der Telefonnummer nützt herzlich wenig, wenn man ein chinesisches Einschreiben bekommt. Aber das Drama hat sich noch ‘nen weiteren halben Tag hingezogen, bis ich endlich meinen Brief in den Händen halten durfte. Manchmal sind Chinesen echt kompliziert.
Ich habe meine neue Wohnung größtenteils bezogen, aber da auch viele Arbeiter frei haben, fehlen noch Teile der Einrichtung. Aber spätestens nächste Woche wird das auch noch werden. Erstbezug. Entsprechend schick ist das auch noch alles, wobei ich teilweise noch Schmutz von den Bauarbeiten entfernt habe. Aber ich fühl mich echt wohl!
Die Uni ging wieder los, nur für sehr wenige Studenten schon nach vier freien Tagen. Das sieht man auch. Mein Teil der Uni ist leergefegt, im Hauptteil tummeln sich Touristen. Als wir mittwochmorgens um 8 Vorlesung hatten, musste der Dozent erst mal jemanden suchen, der uns das Gebäude aufschließt. Der Computerraum mit meinem Arbeitsplatz ist, abgesehen von uns wenigen Masterstudenten, leer und auch Mitarbeiter sind keine da. Und irgendwie war die Vorlesung auch nicht so gut besucht wie sonst, hihi.
Ja, in meinen Ferien habe ich viel erlebt! Drei deutsche Mädls, die mit über vierzig Chinesen in einer Busreisegruppe unterwegs sind, das ist schon was Besonderes. Alles in allem hatten wir drei erlebnisreiche Tage. Aber auch sehr chinesische. Wir waren fast nur im Bus gesessen, zusammen mit ununterbrochen essenden Chinesen. Wir wurden auch als Truppe immer sehr schnell durch die Sehenswürdigkeiten gescheucht, gewartet wurde auf niemanden. Die Reiseführerin ist als erstes ausgestiegen, hat sich ihr Mikro geschnappt und ist munter vor sich hinplappernd losgelaufen. Wer langsam aus dem Bus aussteigt hat Pech. Dennoch, es hat sich gelohnt!
Am ersten Tag sind wir mit dem Bus durch fast die ganze Provinz Hubei gefahren, den Jangzi aufwärts nach Yichang. Diese Stadt dürfte vielleicht ein paar Leuten bekannt sein, denn es ist üblicherweise der Ausgangspunkt für Ausflüge zum Dreischluchtenstaudamm, der nur 28 Kilometer flussaufwärts liegt. Durch die damit verbundenen Umsiedlungsaktionen und die gestiegene wirtschaftliche und touristische Bedeutung der Stadt, ist diese von 50 000 Einwohnern auf etwa 450 000 Einwohner gewachsen. Nach viereinhalb Stunden Fahrt (Fahrzeit in Wuhan selbst nicht mitgerechnet) hatten wir dort Zeit, das Mondfest selbstständig zu feiern, was wir auch gemacht habe. Es gab ein köstliches Abendessen unter freiem Himmel.
Am zweiten Tag ging es weiter Richtung Shennongjia, dem Ziel unserer Reise, auch hier wieder viereinhalb Stunden Fahrt bis Muyuzhen. Im Gegensatz zum Vortag, an dem wir durch flaches, landwirtschaftlich genutztes Gelände fuhren, waren wir hier von Anfang an in den Bergen, die sich während der Fahrt laufend geändert haben.
Anfangs waren wir auf der Autobahn unterwegs, diese ist aber Großteils noch im Bau und war später selbst eine Sehenswürdigkeit für sich. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung, eine Aneinanderreihung von Brücken und Tunneln!
Wir selbst waren dann auf kleinen holperigen Straßen unterwegs, die sich in Serpentinen über die Berge schlängeln. Anfangs gab es noch breite Täler, in denen die Getreideernte in vollem Gang war, danach änderte sich der Anbau, bis man fast nur noch Mais und Tee, häufig in gemischter Bebauung fand. Dazwischen, unvermeidlich, Mandarinenplantagen, für die diese Region (zu Recht) berühmt ist. Nachmittags konnten wir endlich in das Naturschutzgebiet.
Ein krasser Gegensatz zum städtischen, schwülen Wuhan! Eine weite Berglandschaft, das höchste Gebirge Mittelchinas! Der höchste Gipfel ist über 3000m hoch, wir selbst kamen bis auf über 2900m Höhe. Folglich ist der Herbst weit fortgeschritten, der Wald ist bunt gefärbt und die Temperatur angenehm kühl.
Die Region ist berühmt für ihre Pflanzenvielfalt, Urwälder, Artenvielfalt. Laut Legende, hat hier der Gott Shennong, der der Menschheit u.a. den Tee und den Ackerbau bescherte, nach Kräutern gesucht. Daneben werden hier auffällig viele Albinos gesichtet, u.a. Bären, Schlangen, Hirsche und Krähen. Und es gibt angeblich Yetis, Haare und Fußspuren hat man schon gefunden, für ein Foto werden 500 000 RMB versprochen.
Als ersten touristischen Ort, haben wir den Tempel besichtigt, der dem Gott Shennong gewidmet ist.
Dort wächst ein über 1200 Jahre alter Nadelbaum.
Danach ging es in die Hochlagen, mit Felsformationen, in denen man diverse Tierdarstellungen findet.
Einen Ausblick zur höchsten Erhebung später, durften wir einen Blick in das schönste Tal der Region werfen, das jedoch auch das erste ist, das im Nebel verschwindet. Schnelle Wetterumschwünge sind hier nicht selten, und nach einem strahlend sonnigen Tag kamen nachmittags urplötzlich dunkelgraue Wolken auf. Der Ausblick war entsprechend.
Nach einer Wanderung durch ursprüngliche Vegetation, durften wir die Goldaffen besuchen. Von Tierhaltung haben Chinesen keine Ahnung, deshalb spare ich mir hier die Originalbilder.
Die Täler sind hier äußerst schmal, die Berge unglaublich steil und komplett grün bewuchert. Hängebrücken sind ein häufiges Bild.
Am letzten Tag unserer Reise durften wir uns noch ein paar katastrophal gehaltene Tiere ansehen (z.B. Riesensalamander, Goldfasan, Bär) und eine imposante Tropfsteinhöhle.
Nach gut hundert Höhenmetern Aufstieg im Untergrund, konnte man, natürlich gegen Aufpreis, den Rückweg in einer tollen Steinrutsche zurücklegen. Eine etwas vereinfachte Version der Rodelbahn, mit Soffschutz am Hintern und ‘ner alten Plastikflasche als Gleitmittel. Es war spitze! Was dann noch anstand war die Rückfahrt. Schier endlos!
Den letzten Ferientag habe ich zum Umziehen verwendet. Haushaltswaren einkaufen macht Spaß! Und schwuppdiwupp, waren meine Ferien vorbei.