Die Ferienzeit verbringen die meisten DAAD Stipendiaten mit Reisen, auf facebook kann man die Reiserouten gut nachvollziehen. Die meisten waren schon in weiter Ferne, als ich noch meine Prüfungen schrieb. Hauptzeile scheinen dabei momentan südostasiatische Länder zu sein, vor allem Thailand, Kambodscha und Vietnam. Die wenigen, die keine Zuflucht im fernen Süden gefunden haben, scheinen sich Großflächig auf China zu verteilen, da wollten wir keine Ausnahme machen.
Ziemlich spontan haben Mohamed und ich einen Kurztrip für zwei Tage gebucht. Was da genau auf uns zukommen würde, war uns nicht bekannt, denn das Programm versprach alles und nichts. Ausgangspunkt war Yichang, am ersten Tag Besichtigung des Dreischluchtenstaudammes, am zweiten Tag irgendwas anderes, mit ein bisschen Schifffahren.
Also sind wir morgens mit der U-Bahn zum Bahnhof nach Hankou gefahren, wo unsere Reise losging. Der Bahnhof war sehr voll, der Zug auch. Aber es war ein Zug der Kategorie D, also die besten und schnellsten Züge, mit einem ICE vergleichbar. Also ging es mit über 190 km/h in knapp zwei Stunden nach Yichang. Die Aussicht war nicht so der Hit, ganz Hubei war in graue Regenwolken und Nebel gehüllt. In Yichang kamen wir gut an, aber dann wurde es kompliziert. Nach vielem Warten waren wir endlich dort, wo der Bus zum Staudamm abfährt. Der Bus hat aber noch etwa 4 Mal im Stadtgebiet von Yichang gehalten und auf irgendwelche Leute gewartet, die ewig nicht kamen. Dazu war die Sicht schlecht, nicht mal die andere Seite des Jangzi konnte man sehen, wenn man am Ufer steht. Und in Yichang ist dieser deutlich schmaler als in Wuhan! Von der Reiseleitung im Bus haben wir erfahren warum: In Yichang regnet es über 250 Tage im Jahr, in Herbst, Winter und Frühling ist es meistens noch neblig. Deshalb ist die Hauptsaison für Jangzischifffahrten von Mai bis Oktober. In den anderen Monaten ist es, wie es bei uns war. Grau in Grau. Als wir endlich in Bewegung waren, wurde es deutlich interessanter. Manchmal konnte man einen Blick auf ein Wolkenverhangenes schmales Tal mit steilen Hängen werfen, Zuflüsse das Jangzi. Dann waren wir am größten mir bekannten Staudamm. Da wurde es dann wirklich seltsam. Wir wurden als geschlossene Gruppe über das Areal des Staudamms gescheucht. Sie haben um den Damm einiges an Attraktionen aufgebaut. Eine davon ist ein künstlicher Berg, auf den man komplett mit Rolltreppen hoch fährt. Das war schon irgendwie witzig. Von dort aus kann man die Schleusen für die Schiffe beobachten, die wirklich riesig sind. Nur war alles ein bisschen trüb und grau. Dann mussten (!) wir noch Tickets kaufen, um uns mit kleinen Golfbussen zum Damm bringen zu lassen, weil wir ja keine Zeit haben. Dann standen wir am Damm, man konnte jedoch kaum was davon sehen. Auf den Staudamm darf man sowieso nicht, da ist alles militärisch abgeriegelt. Auf der anderen Seite des Flusses gibt es noch einen kleinen Park, mit einem architektonisch interessanten Theater, wo abends Aufführungen sind. Ich vermute, das trifft nur für den Sommer zu, denn wir waren fast ganz allein. Hier auch wieder im Eiltempo mit Golfbussen. Von dort aus hat man einen Blick auf den Staudamm in voller Größe. Und, ganz ehrlich, es ist unspektakulär. Vermutlich auch, weil der Wasserstand gering war, und kein Wasser in Strömen herausschoss, wie es auf den Großformatigen Fotos, die über das Gelände verteilt waren, dargestellt ist. Ach ja, die Fotos. Die Chinesen haben die Fotos fotografiert. Letztlich die einzige Möglichkeit, ein vernünftiges Foto zu bekommen. Zu der ganzen Enttäuschung kam dann noch die unfreundliche Reiseleiterin dazu, die uns mit militärischem Drill über das Gelände scheuchte. Entsprechend war die Laune aller Leute, die grimmig vor sich hinstarrten. Alles in allem: Wenn irgendjemand von euch die Möglichkeit hat, den Dreischluchtenstaudamm anzusehen, nehmt sie nicht wahr. Es lohnt sich nicht!
Abends hatten wir eine Unterkunft in Yichang. Das Hotel war nett und zentral gelegen. Wir waren jedoch nur kurz draußen, haben lecker zu Abend gegessen.
Die Erwartungen für den nächsten Tag waren entsprechend gering. Morgens ging es mit einem Minibus irgendwo in die Berge. Gesehen hat man nichts. Nur der Fahrer dachte anders darüber, und fuhr auf den nassen, kurvigen Straßen wie ein Rennfahrer. Neben der aufkommenden Übelkeit, waren vor allem die steilen Abhänge und die gewagten Überholmanöver stimmungssenkend. Als dann wieder zusätzliche Tickets gekauft werden mussten, war die Laune gänzlich hinüber. Dann waren wir endlich da. Und alles wurde anders. Tief in Nebel gehüllt waren die hohen Berge, vor uns der grünliche Jangzi, in grauer, stiller Grazie. Mit dem Schiff ging es auf die andere Flussseite, dann mit einer Gondelbahn in die Berge. Faszinierende Landschaft, bizarre Felsformationen und in der Tiefe immer der Jangzi.

Zu Fuß ging es wieder an den Fluss zurück. Wir waren nur zehn Leute, und damit konnten wir uns ziemlich individuell bewegen. Am Fluss unten angekommen, haben wir einen Nachbau eines typischen Dorfes besichtigt. Der Großteil wird momentan renoviert, der Winter ist dafür ideal, da kaum Touristen kommen. Aber die Königsresidenz von vor 1000 Jahren konnten wir voll betrachten, und sie war beeindruckend. Danach kam eine kleine musikalische und tänzerische Aufführung, bevor es mit dem Boot weiter ging. Nach einer kurzen Mittagspause haben wir einen Zufluss des Jangzi besichtigt.

Es war traumhaft! In die natürliche Landschaft eingebettet waren menschliche Kunstwerke. Ein kleines Bambusboot, das eine hübsche Frau in traditioneller Kleidung den Bach entlang fährt, Gesänge von im Hang nicht sichtbaren Menschen, ein traditionelles Fischerboot mit Kormoranen und und und. Es war traumhaft, trotz einsetzendem Regen.

Mein Mann war hin und weg von den in den Steilhängen lebenden Affen, die man mit Erdnüssen füttern konnte. Am Ende des Tales wartete ein imposanter Wasserfall auf uns. Am Rückweg gab es noch eine kleine Theatervorführung, die die Hochzeitstraditionen der dortigen Tujia Chinesen vorstellten, unter anderem das tagelange Weinen der Braut. Danach ging es mit dem Schiff zurück zum Ausgangspunkt und im rasanten Minibus nach Yichang zurück. Dort wurde mir erst bewusst, wo wir eigentlich gewesen sind – in einer der drei Schluchten des Jangzi. Unser Tagesprogramm ist auch Tagesprogramm der mehrtägigen Jangzischifffahrten. Und es war traumhaft!
Nach einem letzten Abendessen brachte uns der Zug nach Wuhan zurück. Mit kräftigem Regen wurden wir willkommen geheißen. Die Luftqualität hat sich dadurch gewaltig verbessert, man konnte das erste Mal seit langen wieder bis zum Nanhu schauen. Aber es ist kalt! Während Ende Januar warme 17° und strahlender Sonnenschein vorherrschten, macht der Wetterbericht jetzt auf einmal eine Kehrtwendung. Auch die kühlen 10° mit Regen bleiben nicht, nein, es kommt ein Temperatursturz, Höchsttemperaturen von -2° und Schnee!