Während das kalte Deutschland ein sommerliches Weihnachtsfest verbrachte, kam im subtropischen Wuhan der Winter an. Und zwar so richtig! Nach einigen leichten weißen Flocken hat es zwei Tage richtig schön geschneit. Irgendwie kommt mir die sommerliche Schwüle wie ein Traum vor, zu kalt ist es draußen, mit eisigem Nordwind.
Leider hält die Schneepracht nicht lange, wie es eben in der Stadt ist. Die Sonne gibt dem ganzen den Rest, selbst jetzt ist sie stark, sofern sie scheint. Im Schatten sind aber auch nachmittags die Pfützen zugefroren. Und ich konnte endlich verschneite Palmen fotografieren! Aber der Schnee hält darauf nicht lang, sondern geht ab wie Dachlawinen!
Gesundheitlich geht es mir leider noch immer nicht sehr gut. Ich komm einfach nicht auf die Beine, mein Magen rebelliert. Und das bevorzugt in den ungünstigsten Situationen. Zum Beispiel gleich nach Vorlesungsbeginn, wenn nur sieben Leute statt fünfzig da sind. Oder fünf Minuten bevor ich ein Referat halten muss. Deshalb habe ich mich nach Hause verzogen, und schreibe hier meine Hausaufgaben. Vorlesungen habe ich kaum mehr, das Semester geht nicht mehr lange, sie gönnen uns die Zeit für die Hausarbeiten. Und wenn ich doch Vorlesung hatte, war ich kaum da, sondern lag daheim im Bett.
Folglich habe ich leider das Neujahrsfest meines Instituts verpasst, ein Abend mit lustigen und unterhaltsamen Beiträgen, von und für Studenten und Dozenten. Jedes Institut hält diese Veranstaltung ab, und für das Eröffnungsvideo des geodätischen Instituts (zur Erinnerung: ich bin am GPS Zentrum) konnte ich sogar einen Beitrag leisten.
Der Schnee bringt nicht nur Freude, sondern vor allem auch Leid. Schnee bedeutet, dass die Temperaturen unter Null Grad liegen. Und dass es bewölkt ist. Das Ganze führt zu niedrigen Temperaturen. Nicht nur draußen, sondern auch in meiner Wohnung, die noch immer keine Klimaanlage hat. Meine Vermieterin vertröstet mich Woche für Woche. Da ich krankheitsbedingt auch nicht mehr in die beheizte Uni bin, sondern in meiner Wohnung den ganzen Tag am Laptop sitze, ist das ganz schön heftig. Eingemummelt in warme Hausschuhe, Jacken und Decken mit heißem Tee ist es erträglich. Nur meine Hand muss aus der Wärme auf die Tastatur. Mit Folgen. Vor wenigen Tagen sind mir an den Fingergelenken bei jeder Bewegung die Hautfalten aufgesprungen, was sehr unangenehm und nicht sehr hübsch ist. Mittlerweile habe ich nur noch raue Reste der winzigen Wunden. Denn zum Glück hat das Wetter sich gebessert, und die Sonne als einzige Wärmequelle ist wieder in Erscheinung getreten. Der Wetterbericht lässt aber nichts Gutes erahnen, nächste Woche wieder Schnee.
Gerade noch rechtzeitig im alten Jahr ist in Wuhan die U-Bahnlinie 2 fertig gestellt worden. Die erste fährt irgendwo in Hankou auf der anderen Flussseite und ist relativ unbedeutend. Aber jetzt gibt es eine flussunterquerende Verbindung! Ohne Stau und Ampeln. Der restliche Verkehr teilt sich auf drei Brücken und einen Tunnel, sowie zwei Fähren auf. In einer Nachmittagspause meines Mannes haben wir die U-Bahn ausprobiert. Modern, wie in Peking, mit verglasten Gleisen, sodass keiner auf die Schienen kommt. Das Fahrkartensystem funktioniert auch einwandfrei. Nur war es von uns etwas dumm, an einem Samstagnachmittag ausgerechnet nach Guanggu zu fahren. Das Einkaufszentrum schlechthin. Schon beim Aussteigen war klar, für die Rückfahrt mit der U-Bahn langt die Zeit nicht. Zu viele Menschen haben sich an den Fahrkartenautomaten gedrängt. Also ging es mit dem Bus zurück. Preislich gleich, von der Fahrtzeit langsamer, aber man musste nicht für ein Ticket anstehen und einen Sitzplatz gab es auch.
Deutsche in Wuhan werden langsam eine Minderheit. Zumindest in meinem Bekanntenkreis. Abgesehen davon, dass Nadine mit ihrem Bruder auf Chinarundreise ist, haben sich Christoph und Lars verabschiedet. Ihr Aufenthalt ist zu Ende, ebenso wie für Philip. Und das ganz regulär. Etwas weniger regulär ist Elis Verschwinden. Sie hat am Espace Programm der TUM teilgenommen, ein deutsch-chinesischer Austausch mit Doppelabschluss. Und sie hat abgebrochen. Es gab einige Faktoren, die das ausgelöst haben, etwa die mangelnde Organisation in China. Somit sind wir auf einen Schlag deutlich weniger geworden.
Mit Eli war ich zum Abschluss nochmal Hotpot essen, und endlich hab ich auch mal ein Foto davon gemacht.
Und ich bin fast ein bisschen sauer drauf. Während sich die anderen fröhlich die Zeit vertreiben, sitze ich hier im Prüfungsstress. Und das ist grad ein schwieriges Thema. Ich hab nämlich die Schnauze voll! Ich hab keinen Bock mehr zu meinem Arbeitsplatz in der Uni zu gehen, wo die Chinesen von 8 bis 22 Uhr ununterbrochen sitzen. Das mag deren Lebensinhalt sein, aber nicht meiner! Ich hab keinen Bock mehr auf die pure Lernerei auf eine Prüfung, nach der alles vergessen wird. Ich hab keinen Bock mehr auf mangelnde Disziplin! Ich hab keinen Bock mehr auf chinesische Uni! Zum Glück sind bald Ferien. Und ich hab zwei Hausarbeiten und ein Referat schon hinter mich gebracht.
Was mir nicht schaden würde, wäre etwas Sport, sowohl um mich abzureagieren, als auch um mich körperlich wieder etwas zu kräftigen. Aber das ist leicht gesagt. Wo soll ich hier laufen gehen, bei den Menschenmassen und der schlechten Luft?
Allmählich wird es anstrengend mit der Luftverschmutzung in Wuhan. Zu zweit wird es ganz schön stickig nachts beim Schlafen, doch ohne Heizung überlegt man sich bei dem Wetter jedes Fensteröffnen dreimal. Und dann… Es ist stickig, etwa fünf Uhr morgens. Also wird das Fenster aufgemacht, nur ein Spalt. Damit wird die Luft weniger stickig, aber nicht besser. Nach wenigen Minuten beginnen die Halsschmerzen. Wo ist die Leistungsfähigkeit? Wo bleibt das tiefe Durchatmen?
Zum Schluss noch was Lustiges: Wir waren im Kino. Meine Vermieterin hat uns Gutscheine geschenkt. Es war zwar auf Chinesisch, aber dennoch hat Mohamed einiges verstanden. Und es war sehr, sehr lustig, mit zwei Schauspielern, die ich sehr schätze.
http://movie.douban.com/trailer/127263/#content
Ach ja, es war Silvester. Schon wieder so ein komischer westlicher Feiertag. Mitternacht hab ich kurz die Augen aufgemacht, den Vorhang aufgezogen. Aha, ein Feuerwerk am Nanhu. Naja, immerhin. Vorhang und Augen zu, umgedreht und weitergeschlafen. Trotzdem wünsche ich allen ein glückliches und gesundes Jahr 2013.