Langsam kehrt wieder Alltag in mein Leben ein, nachdem so viele außergewöhnliche Ereignisse waren. Ich habe einen neuen Tagesrythmus gefunden, der sich an den Arbeitszeiten von Mohamed orientiert. Damit stehe ich deutlich später auf als früher, gehe aber auch später ins Bett. Auch die Essenszeiten haben sich verschoben. Alles in allem läuft es allmählich wieder rund.
Diese Woche hatte ich meine erste Prüfung, im Fach Zeitreihenanalyse. Ich war sehr nervös. Nicht nur, weil es meine erste chinesischsprachige Fachprüfung war, sondern auch weil es meine erste „KaiJuan“ Prüfung war, also eine Prüfung mit „offenen Rollen“. Das bedeutet, dass man alle Bücher und Unterlagen zur Prüfung mitnehmen kann, also jegliche Fachliteratur, Vorlesungsunterlagen etc. Eine komische Vorstellung, und ich hatte recht wenig Ahnung, wie ich mich darauf vorbereiten sollte. Obwohl ich mein Lehrbuch und die Lösungen zu den Aufgaben im Lehrbuch dabeihatte, war es ziemlich schwer. Die letzten beiden Kapitel zur Spektralanalyse konnte ich nicht gut, da der Dozent dazu keine Hausaufgaben aufgegeben hatte. Und es war ziemlich viel dazu gefragt! Dazu kam dann noch, dass ich manche Wörter nicht ganz verstanden habe. Nächstes Mal nehm ich doch ein Wörterbuch mit. Das wegen den letzten beiden Kapiteln war echt doof, wenn es viele Punkte gibt auf eine Frage, die in etwa so lautet: Erläutern Sie die Unterschiede zwischen Spektralschätzung mit und ohne Parametern. Welche Methode ist Ihrer Meinung nach effektiver? Von diesen Parameterunterscheidungen hatte ich noch nie was gehört und auch nichts gefunden. Das nur so als Beispiel. Also war die Prüfung dennoch nicht ohne. Trotzdem hätte ich die ganze Prüfung über den Kopf schütteln können. Das nennen die Prüfung?! Ich hätte gerne allen Kommilitonen mal gezeigt, wie eine Prüfung in Deutschland abläuft. Der Ablauf war Folgendermaßen: Alle strömen in den Raum, in dem die Prüfung abgehalten wird. Das Ziel ist, dabei einen Platz zu bekommen, der möglichst wenig vom Dozent eingesehen werden kann, und an dem im Umkreis möglichst viele sitzen, die Ahnung von der Sache haben. Dann geht es los, der Dozent teilt die Aufgaben aus. Alle sitzen irgendwie. An einer Stelle waren es dem Dozenten dann doch zu viele auf einem Haufen, also hat er zwischendrin ein bisschen umsortiert. Während er durch die Reihen schreitet, ermahnt er des Öfteren: Macht die Aufgaben alleine, schaut nicht zum Nachbarn. Daran gehalten hat sich keiner. Zwischendrin hat mal ein Handy geklingelt, und gezückt hatten es sowieso alle. Es war nicht still, sondern eher ein durchgehendes Raunen im ganzen Raum. Zum Ende (die Abgabezeit wurde kurzfristig um 10 Minuten heraus gezögert), musste man einpacken und seine Arbeit vorne beim Dozenten abgeben. Bzw. sollte man. De facto haben jetzt alle miteinander diskutiert, Aufgaben verglichen, noch schnell was abgeschrieben, und sind bestimmt noch 5 Minuten sitzen geblieben. Ich war schockiert! Die wären in Deutschland alle aus der Prüfung geflogen! Aber egal. Ich hab die Prüfung auf alle Fälle hinter mir, und damit endlich ein Fach weniger.
Ich hab jetzt endlich ein Mal ein paar Bilder von der Wohnung gemacht, damit man sieht, wie klein sie ist. Und wie hübsch. Nach dem, was ich so im Gespräch mitbekommen habe, stellen sich die Meisten unsere Wohnung nämlich deutlich größer vor, als sie ist.
Das ist also meine Wohnung, wie man sie sieht, wenn man genau in der Balkontür steht.
Und das ist die Wohnung, von der anderen Seite aus gesehen. Zuletzt noch das Bad:
Wie man sieht, habe ich nur eine chinesische Toilette, die auch als Abfluss fungiert. Daran habe ich mich schon absolut gewöhnt, da in der Uni auch keine anderen sind. Wenn ich dann ab und zu mal im Wohnheim auf Toilette gehe, ist das richtig ungewohnt, denn da gibt es europäische Toiletten.
Insgesamt ist meine Wohnung sehr hübsch, sehr hell und mit schönem Ausblick. Und dann hab ich noch Holzfußboden und Tapeten, was für China sehr ungewöhnlich ist. Ich leb sehr gerne in der Wohnung.
ousha am 08. Dezember 12
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