Vor einer langen, langen Zeit...
… hab ich mal Blogeinträge geschrieben. Jetzt ist es wohl mal wieder Zeit dafür. Angeblich soll es ja Leser geben. Ich hatte einige sehr anstrengende Tage. Das ist zwar jetzt noch nicht besser, aber dennoch nehme ich mir die Zeit, mal wieder zu schreiben. Also kommt jetzt eine Kurzfassung dessen, was bisher passiert ist.
Mein Mann ist da! Ich freu mich noch jetzt jeden Tag riesig darüber! Er hat sich gut eingelebt, Nudeln zum Frühstück findet er super, er kann schon alleine Essen bestellen und seit etwa einer Woche haben wir ein Lieblingsrestaurant für uns ausgemacht, wo wir eigentlich jeden Abend essen. Dank ihm war ich an einem Sonntagmorgen um 6 Uhr frühstücken, was ein wirkliches Erlebnis ist. Um 6 Uhr sperren die Karaokebars zu, weshalb auf einen Schlag Unmengen von Leuten auf der Straße sind. Und diese ganzen jungen chinesischen Studenten frühstücken erst mal, ebenso wie die ausländischen Studenten, die gerade aus der Disko kommen. Dazwischen sitzen dann die Bauarbeiter, die vor Arbeitsbeginn noch was Essen. Eine sehr bunte Mischung.
Es war deutscher Stammtisch. So nennt sich diese Art von Veranstaltung, organisiert von deutschen Muttersprachlern und Leuten, die gut deutsch sprechen. Es war etwas seltsam. Es gab „deutsches“ Essen, also tonnenweise groben Kartoffelsalat, der nicht sonderlich schmeckte, Nudelsalat, anderen Salat, Grillgut (am Ende irgendwie nicht mehr durch) und Pizza vom Lieferservice. Dazu hat dann das Ganze Publikum gequatscht. Naja. Aber es war ein sehr schönes Bild, wenn sich ein Tunesier, ein Chinese und ein Kanadier auf Deutsch unterhalten.
Dann war internationales Kulturfestival. Das ist eine riesige Veranstaltung, die jedes Jahr an der Wuhan University stattfindet. Besucher bekommen eine Art Reisepass und jedes Land, also jeden Stand, den sie besuchen, stempelt ein Visum hinein. Die Stände werden von den ausländischen Studenten der jeweiligen Nationalität betrieben. Für die sind die Visa Nebensache, Hauptsache irgendwas an die Leute bringen und daraus etwas Profit schlagen. Sehr international, sehr interessant. Es waren sehr viele Länder vertreten, insbesondere auch afrikanische. Auch die Komoren, Seychellen, etc. Andere Länder waren z.B. Ghana, Südkorea, Nordkorea (die feschen jungen Männer in Anzügen mit Parteianstecker stehen auf deutsches Bier zum Frühstück), Pakistan, Saudi-Arabien (Männer in langen weißen Gewändern, die im Beduinenzelt voller Teppiche am Feuer Tee kochen), Japan, Tadschikistan, Nepal, Indien, Mongolei, Italien, Niederlande, Togo, Benin, Dominikanische Republik, Vietnam, Ukraine, Großbritannien, Türkei, Syrien, Kamerun. Davon viele in traditioneller Kleidung. Ich habe leider nicht sehr viel davon gesehen, weil ich am deutschen Stand war. Ursprünglich wären wir nur zu viert gewesen, aber Lars musste seinen Urlaub absagen, weil er doch Vorlesungen hatte, und half aus. Dazu kamen noch zwei Chinesinnen und mein Mann. In doppelter Besetzung konnten wir gerade so alles managen. Wir hatten ein Quiz geplant, aber daran gab es kein Interesse. Im Hintergrund unseres Standes hingen schon vorgefertigte Plakate mit grottenschlechten Infos über Deutschland und Fotos aus Frankreich. Wir haben uns bei Metro eingedeckt, und deutsche Speisen und Getränke angeboten: Orangensaft, Bier (hell und dunkel), Wiener Würstchen mit Senf und belegte Brote (die waren der Renner, sie waren billig, aber auch nicht sehr deutsch, süßes Toastbrot mit Butter, Ketchup, Bierschinken und Toastkäse). Wir rotierten! Aber es war trotzdem schön, und hat sich rentiert. Unsere Kalkulation war aber falsch, schon Samstagmittag mussten wir bei Metro Nachschub holen. Letztlich haben wir etwa viermal mehr verkauft als erwartet.
Dazu kam, dass ich mal wieder die Eröffnungsrede halten durfte. Kurzer Anruf von ‘nem Lehrer: Ousha, du machst das doch, oder? Na klar. Wenigstens musste ich sie nicht selber schreiben. Dafür haben sie mir Samstagmorgen, eine halbe Stunde vor Beginn, gesagt, dass meine Rede nicht passt. Was, das ist deine Rede? Das kann nicht sein, die ist doch viel zu kurz! Hier, das ist die richtige! Also nochmal fix geübt. Lief auch nicht so gut, ich war zu schnell und hab nicht ein Mal von meinem Blatt aufgeschaut. Aber egal, ich hab's gemacht.
Unimäßig ist es sehr stressig. Auf einmal geben alle Hausaufgaben, ähnlich wie die Belege in Dresden auf, und die ersten Prüfungen nähern sich. Leider.
Die Luftfeuchtigkeit macht Probleme, es ist kalt und regnet viel. An allen Scheiben sammelt sich Kondenswasser, das nicht wegzubekommen ist. Nach dem Duschen trocknet das Handtuch nicht. Von Wäsche ganz zu schweigen. Naja, das Gute daran ist, dass meine Haare sich in absoluter Höchstform präsentieren. Dick, glatt und geschmeidig.
So, das war meine kurze Zusammenfassung. Bis zum nächsten Mal!
ousha am 23. November 12
|
Permalink
|
1 Kommentar
|
kommentieren