Samstag, 27. Oktober 2012
Eine anstrengende Woche mit schönem Ausgang
Ich habe eine sehr unberechenbare Woche hinter mir. Es lief immer alles anders als geplant. Montags war die Vorlesung statt nach drei Stunden schon nach einer zu Ende, dienstags war ich für die Übung gar nicht nötig, mittwochs waren auf einmal schriftliche Hausaufgaben zum Abgeben fällig. Und das war nur der Uniteil! Nichts lief so wie geplant. Mal wollte ich im Wohnheim schlafen, brauchte aber plötzlich Sachen aus der Uni und meiner Wohnung, sodass ein längerer nächtlicher Spaziergang nötig wurde. Statt den Nachmittag an der Uni zu verbringen, war ich auf einmal in meiner Wohnung, weil ich da was erledigen musste, und so weiter. Planen war überhaupt nicht möglich. Das Ganze hatte aber auch Vorteile, so verschlug mich ein nachmittägliches Mittagessen in ein vorzügliches Restaurant gleich ums Eck. Dort werde ich wieder hingehen!

Eine Freundin von mir hatte Geburtstag, drum habe ich ihr ein Stück Kuchen gekauft. Der war lecker (ich durfte probieren), und ich hab in dem Laden endlich meine vergeblich gesuchte „Raupe“ widergefunden, ein mit Vanille gefülltes Gebäck. Das werde ich mir heute noch holen. Auch auf die Windbeutel bin ich absolut gekommen. Vor allem werden viele chinesische Backwaren und Kuchen, also die traditionellen, nicht die modernen, nach Gewicht verkauft. Was das für die Windbeutel heißt, kann man sich denken.

Mitte November ist das Kulturfest an der Uni, wo jedes Land einen Stand aufbaut, um sich zu repräsentieren. Die Planungen laufen auf Hochtouren. Hat jemand von euch Ideen, was man als deutscher Stand nicht vergessen sollte?

Nach dieser anstrengenden und regnerischen Woche, folgte ein regnerischer, aber feierlicher Freitag – das islamische Opferfest. In China gibt es einige Muslime, wobei ich mehr mit den arabischen Studenten zu tun habe. In Erinnerung an Abraham, der seinen Sohn geopfert hätte, wird an diesem Tag traditionell ein Schaf geschlachtet. Und zwei davon bin ich über den Weg gelaufen. Am Donghu standen schon einige junge chinesische Männer um ein gemütlich Grünzeug vor sich hin kauendes Schaf herum, und am Wohnheim hat es ganz laut geblökt. Direkt neben dem internationalen Büro. Der dortige Chef hat versucht die Besitzer zu finden. Als ich vom See zurück kam, haben ein paar junge ausländische Studenten das Schaf an seinen Hörnern zum See gezerrt. Dort werden wohl die beiden ihr Ende gefunden haben.

Das Schaf am Wohnheim.

Ich selbst bin eingeladen worden, mit einigen anderen zusammen zu Feiern. Meine Wohnung liegt dabei sehr gut, von Universitäten umringt. Im Norden die Wuhan University, im Osten die Central China Normal University, im Süden die Wuhan University of Technology. Also hat mich Paola, von meiner Uni, über Bekannte der zweiten Uni, zu ‘nem Platz an der dritten Uni gebracht. Der arabische Anteil an den ausländischen Studenten ist übrigens in der zweiten Uni enorm. Am Ende waren wir eine internationale Gruppe aus gut dreißig Frauen und Kindern. Die Männer haben woanders gefeiert. Die Kinder waren herausgeschmückt ohne Ende. Die Mädchen in weißen Brautkleidchen mit Schleiern und Krönchen, die Haare wunderschön und bunt frisiert, die wenigen Jungs in Anzügen. Sehr fesch. Beim Rest sind vor allem die Jemenitinnen und die Frauen aus dem Oman aufgefallen. Die Ersteren traditionell komplett in schwarz, die Zweiteren in prachtvollen, bunten, glitzernden, bestickten Gewändern. Der Rest lag dazwischen. Ich denke nicht, dass ich alle Nationalitäten weiß, aber zumindest waren noch Frauen aus Algerien, Tunesien und dem Irak da. Ich habe nicht mit allen gesprochen. Gesprochen wurde in arabisch-englisch-chinesischem Mischmasch. Zuerst wurde geredet, bis das Essen fertig war und wir alle zusammen in einem großen Raum gegessen haben. Das Essen war tendenziell indisch, es gab orange-gelben Reis, Tomatenraita, Salat, Fleisch mit Kartoffeln und Brot. Natürlich ausschließlich Schaf. Es war sehr lecker.

Festmahl

Ich bin seit Kurzem nicht mehr alleine im Bett, habe wieder jemanden zum Kuscheln. Mei Yangyang, aus meiner geliebten Fernsehserie „Xi Yangyang“, in der der dumme, böse Wolf, von seiner dominanten Frau, die als Prinzessin im Schloss im Wald lebt, dazu getrieben wird, die vielfältige Schafkolonie zu überfallen. Er schafft es nur nie so Recht.

Meiyangyang