Sonntag, 21. Oktober 2012
Alltag
Diese Woche war unimäßig ziemlich entspannt, ich hatte nur zwei Vorlesungen. Zum einen ist meine GPS Übung im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen, zum anderen sind alle Vorlesungen ab Donnerstag abgeblasen worden, da das geodätische Institut 56jähriges Jubiläum feiert. Da hatte ich auch nichts dagegen.

Mittwochabend bin ich kurzfristig als Deutschlehrerein eingesprungen, da die Sprachschule, an der Nadine und Eli arbeiten, eine Probestunde an der Technischen Universität Wuhan angeboten hat, aber beide keine Zeit hatten. War mal eine ganz interessante Erfahrung, ich hab ‘nen kleinen finanziellen Zuschuss bekommen und bin zum Abendessen eingeladen worden.

Gestern war deutscher Abend. In einer deutsch-chinesischen Runde, die aus neun Leuten bestand, haben wir Pilzgulasch mit Salzkartoffeln gemacht. Der Tag begann damit, dass Nadine und ich zur Metro gefahren sind. Wie in Deutschland, ist auch dort eine Mitgliedskarte nötig, bei der man die Firma angeben muss. Da standen wir ziemlich verloren am Eingang, weil es zwar Tageskarten gibt, aber welche Firma sind wir denn? Da sprach uns eine der dort arbeitenden Damen auf Englisch an, ob wir einkaufen möchten. Im Notfall sprechen wir alle kein Chinesisch, haha. Aber es war unproblematisch, wir bekamen eine Nummer zugeordnet, die Firma ist die Universität Wuhan. Also problemlos. In der Metro war’s toll! Es gibt alles! Fahrräder, Kühlschränke, Klamotten, Handys und natürlich Lebensmittel. Wegen denen waren wir ja da. Neben einigen Kuriositäten, wie eine große Auswahl an deutschen und belgischen Bieren, deutschem Riesling, keinen vernünftigen Backwaren, fanden wir alles was wir brauchten, insbesondere ein sehr schönes Stück Fleisch. Vollbepackt haben wir Lars überfallen, in dessen WG das Ganze stattfand. Abends wurde dann groß gekocht, jedoch mit einigen Komplikationen. Letztlich hat alles geklappt, trotz kleiner Töpfe, zwei Herdplatten und drei Köchen. Und es hat lecker geschmeckt. Das ehrenvollste Kompliment kam wohl von Bastian: Es schmeckt wie bei meiner Mutter. Der Abend hat sich noch lange hingezogen, mit Musik, politischen Diskussionen und leckeren Windbeuteln.

Das Wetter ist zurzeit sehr wechselhaft. Am Dienstag war ich davon überzeugt, dass der Sommer vorbei ist. Es hat geregnet und es war kalt! Ich war mit Jacke und Schal in der Uni gesessen. Das war auch der Tag, an dem die GPS Übung theoretisch geplant war. Der Tag danach war unglaublich. Ich zog morgens die Vorhänge auf und war sprachlos! Die Häuser von der Morgensonne bestrahlt und da hinter der Nanhu und sein entferntes Ufer. Und ich dachte mal, als ich das gesehen hab, ich hebe Fernblick! Haha! Hinter dem See kommt ein Hügel, hinter dem Hügel Hochhäuser und dahinter noch ein Hügel. Es war klar, die Sonne schien, es war kühle Luft aber dennoch warm. Traumhaftes Herbstwetter. Heute kann ich den Nanhu nicht mal erahnen. Es ist trüb. Vormittags hat es in Strömen geregnet, aber es war irgendwie nicht kalt. Als ich dann mittags schnell Baozi geholt habe, ist die Sonne wieder rausgekommen. Das Ergebnis des Ganzen ist vor allem schwül. An der Ampel ist mir die Brille angelaufen. Und ich schwitze!

Mein Frühstück hat sich geändert, da ich nicht mehr an dem leckeren Baozistand vorbeikomme, und auch keine gute Sojamilch auf dem Weg zur Uni finde. Jetzt gibt es immer ein Art süßes Fladenbrot. Sehr lecker und chinesisch. Nur bei Regen hat der Stand zu. Dann gibt es gar nichts.