Und schon wieder ist eine Woche um. Die Zeit verfliegt…
Anfang der Woche habe ich meinen Arbeitsplatz bezogen. Jeder Masterstudent hat hier seinen eigenen Arbeitsplatz, einen kleinen Schreibtisch an der Uni, in einem der vielen speziell dafür angelegten Arbeitsräume. Ich hatte dabei ziemlich Glück. Ich habe einen relativ geräumigen Eckschreibtisch in einem relativ kleinen Raum, in dem 25 Leute sitzen. Das Ganze im 14. Stock mit Blick nach Norden, über die Uni. Bisher warte ich noch auf einen klaren Tag, um ein schönes Foto zu machen. Diese Woche hat es wieder geregnet, allerdings nicht so sehr, wie die letzen Male. Und es hat auch nicht mehr so sehr abgekühlt.
Seit ich diesen Platz habe, hat sich eine gewisse Routine entwickelt. Morgens gehe ich immer in mein „Büro“, Frühstück gibt’s auf dem Weg dorthin. Als ersten Teil Sojamilch aus der Mensa, als zweiten Teil auf halber Strecke was vom besten Baozistand, den ich kenne. Die Auswahl variiert dabei, meistens süße Baozi, also gedämpfte Teigtaschen, oder Mantou bzw. Huajuan, also gedämpftes Brot, oder auch mal gedämpfter Kuchen. Alles sehr lecker. Den Rest des Tages verbringe ich im Büro, außer ich habe Vorlesungen. Meine Mittagspause verbringe ich meist in der Guangbalu, einer kleinen Straße nebenan.
Mittlerweile hat eine weitere Vorlesung angefangen, die mir sehr gut gefällt. Zeitreihenanalyse unter Verwendung der Programmiersprache R. Relativ zeitaufwendiges Fach, da der Programmierteil im Selbststudium zu erledigen ist, umfangreiche Hausaufgaben aufgegeben werden, und im Unterricht gezielt Fragen gestellt werden, die in die Bewertung mit einfließen.
Auch ein Vortrag war diese Woche wieder, von einem Professor der University of Nottingham in Ningbo, über die Minimierung von Mehrwegeeinflüssen. Interessant.
Mitte der Woche hatte ich eine kleine Krise, als ich feststellen musste, dass meine Arbeitsweise nicht effektiv war. Mein ganzes Leben habe ich, sobald ich auf einen chinesischen Text getroffen bin, jede unbekannte Vokabel gelernt. Und genauso habe ich es hier gemacht. Nur bin ich nicht zum Chinesisch lernen hier! Meine gesamte Zeit ging für umfangreiche Suchen einzelner Wortbedeutungen drauf, ohne fachlich irgendwas weiterzubringen. Jetzt sind die Vokabeln von der Wichtigkeit her an der letzten Stelle. Die Texte verstehe ich auch so meistens ganz gut, nur absolut wichtige Fachbegriffe schlage ich nach. Somit konnte ich die Zeitreihenanalyse schon gut nacharbeiten, und kann jetzt auf Chinesisch mitreden, wenn es Korrelation und (Ko)Varianzen bei stochastischen Prozessen geht.
Im Laufe der Woche habe ich einen Blick auf den Ablauf meines Masterstudienganges in Dresden geworfen. Und war direkt enttäuscht. Hier gibt es so viele interessante Vorlesungen und Vertiefungsmöglichkeiten, die mir die TU Dresden nicht bieten kann. Direkt etwas schade, dass ich später dort studieren muss. Der Master erscheint mir hier auch um einiges Forschungsorientierter. Die Studenten haben Projekte zu bearbeiten (der neben mir arbeitet an irgendwas wegen der GRACE Mission, und das für die nächsten acht Monate), Artikel zu veröffentlichen und die Bearbeitungszeit für die Masterarbeit hat mindestens ein Jahr zu betragen. Schon etwas andres als in Deutschland. Das sind allerdings teilweise sehr neue Entwicklungen, der Studiengang ist vor Kurzem von einem zweijährigen auf einen dreijährigen Verlauf umgestellt worden.
Insgesamt schlaucht mich die Lernerei ziemlich. Ich musste meine Essensmengen drastisch erhöhen, am Wochenende war ich richtig platt. Einer der Gründe, meine Mathevorlesung am Samstagvormittag schon nach der ersten Stunde zu verlassen. Ich hoff ich kann die irgendwie abwählen, ich versteh echt kein Wort!
Gestern war ich ein wenig in der Stadt unterwegs. In einer sechsköpfigen internationalen Gruppe sind wir nach Hubuxiang gefahren. Das ist eine kleine Fressmeile in klassischem Stil. Es gibt haufenweise kleine Snacks, teilweise sehr traditionell. Leider sind die Preise etwas hoch, und es sind natürlich Unmengen von Leuten dort. Ich hab mich schon total auf Stinktofu gefreut, wurde aber etwas enttäuscht. Nicht stinkend und folglich auch nicht würzig genug. Schade!
Danach sind wir an den Jangzi. Auf Chinesisch heißt der Fluss Changjiang, also langer Strom. In Wuhan fließt der Hanjiang in den Changjiang, wodurch die Stadt dreigeteilt wird. Das ist durchaus ein imposanter Fluss! Mit einem Schnellboot haben wir vom Stadtteil Wuchang in den Stadtteil Hankou übergesetzt. Leider war ich dann ziemlich k.o., und hab vorzeitig ein Taxi zur Uni genommen (diesmal durch ‘nen Tunnel und nicht über eine Brücke den Jangzi überquert), während die anderen noch Hankou etwas weiter erkundet haben.
Zum Abschluss noch zwei Impressionen aus meinem Zimmer.
